Frankreich – Island (Vorbericht)

Man erwarte an dieser Stelle nun bitte keine nüchterne Vorschau zu obigem Spiel. Ich bin nur hier, um zu sehen, ob meine Hände noch zittern, wenn ich sie auf die Tastatur lege. Mal testen…nee, in den Fingerspitzen zuckt es immer noch auf.

Eine meiner frühesten Fußballerinnerungen ist die WM 1982, die Nacht von Sevilla mit dem am Elfmeterpunkt zusammengesackten Uli Stielike beim 5:4 (3:3) gegen Frankreich. Neben Uli Hoeneß der bis gestern einzige deutsche Turnier-Fehlschütze. Was nix ausmachte, weil Toni Schumacher noch zwei Elfer parierte. Historischer Pipifax nach der Nummer gestern. Als Müller wieder den Ball nicht reinbrachte, habe ich schwer geatmet, den mit riesigem Pech versehenen Pfostenschuss von Özil mit ungläubigem Kopfschütteln bedacht und als Schweinsteiger drüberhobelte, war ich auf den Knien. Flüche gibt es doch, war meine feste Überzeugung. Ich hatte nichts mehr auf die Burschen gegeben, nichts. Unerfahrene Elferschützen mussten dreimal gegen den italienischen Vorsprung nachlegen, durften keinesfalls versagen. Druck, wie er wohl in der Hölle fabriziert werden muss, weil er auf der Erde in natürlicher Form so nicht vorkommt. Am Ende Hector dann mit dem knapp unter Buffons Hemd durchgeflutschten Erlösungsschuss. Ich musste zweimal hinsehen, aber das Ding war drin. Und der sympathischste aller Fußball-Italiener draußen. Ich hätte in meinem emotionalen Auflösungszustand mit Gianluigi fast mitgeheult, so durch den Wind war ich an diesem späten Samstag Abend.

Jetzt Frankreich.
Oder eben Island. Muss man ja immer mit einem breiten Grinsen erwähnen. So hielt ich es bisher auch. Die kleinen frechen Wikinger, die am 10. Juli im Finale zusamen mit Wales den größten Spaß unterm Fußballzelt haben und den großen Nationen den Stinkefinger zeigen. Irgendwie mag ich nun aber nicht den Gedanken, dass die von unseren Elf aus dem Turnier gekickt werden sollen. Das darf der Franzose gerne vorher erledigen und sich die graue Spielverderber-Krawattennadel ans Revers heften.

Die Bleus sind in den elf bisherigen Duellen mit Island ungeschlagen, achte Siege stehen drei Unentschieden gegenüber. Unterschätzen wird man die Nordmannen sicherlich nicht. Gegen Irland hat man das Worst-Case-Szenario geprobt und überstanden. Und spielerisch dürfte man mehr auf der Pfanne haben als die ratlosen Engländer. Ich werde mir das stressfrei anschauen, die Beine hochlegen, ein paar Chips weichzutzeln und meine Entspannungs-CD „Gemütlich gluckernde Geysire Vol.XXXV“ einlegen. Das habe ich mir seit gestern verdient.

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