Deutschland – Italien (Vorbericht)

Ich muss mich direkt zu Beginn kurz entschuldigen für den Vorbericht gestern. Wales hat im Viertelfinale prima gekämpft UND gespielt, da ziehe ich meinen Hut vor. Ich hatte deren Gekicke gegen Nordirland noch mental auf dem Schirm und prophezeite daher ein langweiliges Halbfinale gegen Portugal. Wird dann wohl eher nicht passieren. Die scheinen sich gegen stärkere Gegner anpassen und ihr Spiel entsprechend steigern zu können. Schön so. Muss unserer Elf heute Abend auch weiterhin gelingen.

Wir haben noch nie bei einem Turnier gegen Italien verloren. Als amtierender Weltmeister. Bei einem Viertelfinale. In Frankreich. Wenn ein Saarländer bei uns im Team gespielt hat. Und der Sohn von Souleyman Sané auf der Bank saß. Okay, jetzt wird es arg spezifisch, aber man muss sich an alles klammern, was gegen die böse, böse Statistik hilft.

Jogi atmet schwer. Erholsamen Schlaf vermag er nicht zu finden, ständig wälzt er sich hin und her, mantra-artig drei Zahlenkombinationen murmelnd. 1-0-2-0-3-0, begleitet von „Ajaaa„, „Mülllerrrr„, „Dranbleibe!„, „Jetzt hannmirsse am Schlawittche„. Oder 0-1-0-2-0-3, dann schwitzt und presst er schwäbische Flüche ab wie „Haanoooi„, „Heilandzagg„, „Do kennsch auf dr Sau naus“ oder „So ann Sausoich„. Die Glückskombo wäre ja freilich ein frühes 1:0, 2:0 knapp vor der Pause und 3:0 so um die 70. Minute. Dann steht lockeres Austraben mit breitem Grinsen an, denn ab da mag auch der rüstigste Italo-Rentner nicht mehr. Umgekehrt sieht’s trübe aus. Ein 0:1 gegen Italien ist bekanntermaßen das Kobayashi Maru-Szenario des Fußballs, da braucht es eigentlich fast schon Beschiss, um aus der Nummer rauszukommen. Direkt nach dem 0:2 können Jogis Jungs mental schon am Anstoßkreis zum Sieg gratulieren und bei 0:3 den Aufenthalt in Evian heimlich verlängern, bis Gras über die Sache gewachsen ist und alle wieder nach Hause können.

Meine Albtraumsituation wäre übrigens diese: Neuer meldet sich wegen Dünnpfiff krank, niemand versteckt ter Stegen die Handschuhe und Boatengs Wade macht Minuten vor Anpfiff zu. Italien führt nach einer Minute, weil Höwedes bei einem Befreiungsschlag im Strafraum Ciro Immobile einfach mit umhaut. Jogi wechselt nach fünf Minuten Podolski ein, um den Rückstand aufzuholen.

Mein Bruder weist unablässig darauf hin, dass Josua Kimmich für einen Verteidiger zu klein sei und irgendwann wie Lahm 2012 im Halbfinale von einem langen Ball überspielt wird. German Angst brought to you by Italia in France, 2016.

Die Squadra Azzura nötigt mir Respekt ab. Belgien und Spanien abgekocht, in letzterer Begegnung nicht mal eine gelbe Karte für die Verteidigerkanten bekommen, flott nach vorne gespielt, wenn es sich lohnte. Gute Abwehr ist ein Baustein des Systems, aber nicht mehr das System selbst. Wenn sie heute erneut ihre Mischung aus Abgezocktheit, Hinten-Nichts-Zulassen und Vorne-Zustechen auf den Platz bringen, kriegen wir zwar alle endgültig ein Trauma, müssen aber auch die altersweise Überlegenheit der azurblauen Schlawiner anerkennen.  Jedenfalls wären die mir als Europameister lieber als eine portugiesische One-Man-Show beim Elfmeterschießen.

 

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