England – Island 1:2 (Vorbericht)

Ich bin wahrlich kein Freund dieser Taktiererei, ein 0:0 lange zu halten und dann auf den einsamen Stürmer, den lieben Gott oder ein unglücklich reingeworfenes Verteidigerbein zu hoffen. Bei England gegen Island sehe ich mich aber genötigt, eine Ausnahme zu machen. Verteidigt, ihr tapferen Isländer, haltet die Null, schmeißt euch in Flanken, Schüsse, Einwürfe. Denn sind wir doch ehrlich; der feuchte Traum von Trainer Hodgson wäre ein früher Einschlag im Netz des Gegners. Dann zöge er sich ein Monokel auf, würfe einen Keks in den Tee und spränge – die Melone auf dem Spazierstock balancierend – galant im Kreis herum. Die Spannung wäre hingegen futsch.

Der Sieger der heutigen Partie darf sich auf Frankreich freuen. Und den Gastgeber hätte ich schon gerne als Halbfinalgegner unserer Elf. Schließlich haben wir Erfahrung im Deprimieren von veranstaltenden Nationen kurz vorm Einzug ins Finale, siehe Brasilien 2014. Von daher kann es eigentlich egal sein, wer vorher gegen die Franzosen ausscheidet. Natürlich bevorzuge ich die Isländer klar, aber deren Matchplan haben die Iren letzten Samstag schon bis zum Optimum aufgeführt und letztendlich doch verloren.

Für Islands Mannschaft ist die Begegnung fast ein bisschen wie Fantreffen. Man verfolgt begeistert die Spiele der Premier League und so mancher Nordmann träumt heimlich davon, die skandinavischen Gestade, in denen er seine Euronen verdient, hinter sich zu lassen, um fortan in England anzuheuern und in wertverminderten Pfund Sterling bezahlt zu werden. „Wir wissen alles über sie, aber sie nicht über uns“, fasst Co-Trainer Hallgrimsson die Situation zusammen. Für beide Teams ist es das erste Pflichtspiel gegeneinander, aber die Wikinger werden sicherlich mitbekommen haben, dass bei den Engländern die Füße umso mehr schlottern, je länger mehr als 90 Minuten gespielt sind und diese grausame Veranstaltung am Punkt im Strafraum ansteht.

Abschlussinformation für Brexit-Drängler: Die Engländer haben seit 20 Jahren kein Spiel in einer K.O.-Runde bei einer Europameisterschaft gewinnen können und so stets den Grundstein für ein frühzeitiges und sicheres eigenes Ausscheiden gelegt. Erfahrung haben sie also. No need to hurry, no need to worry.

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2 Gedanken zu “England – Island 1:2 (Vorbericht)

  1. Pfft, die Null halten… Island wird tatsächlich immer noch unterschätzt. Ich find das sowas von geil. Aber vor dem Halbfinalspiel gegen die Wikinger habe ich schon etwas Angst.

    • Aber schon beendruckend, wie die Engländer ihr zunächst irrationales Verhalten (Elfmeter verwandeln) sofort durch typische Tugenden (Ausgleich im Gegenzug zulassen, Torwartpatzer) revidiert haben.
      Island sind klar die Geilsten in diesem Turnier, ich gönne denen das aus vollstem Herzen. Bis zum Halbfinale gegen uns haben die aber hoffentlich so viele Angebote, dass ihnen der Kopf schwirrt und der Fuß lahmt.

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