Portugal – Island (Vorbericht)

Komið þið sælir
(Isländische Begrüßung, an eine Gruppe von Männern gerichtet)

Island spielt beim EM-Turnier
“Ja, brat mir doch ‘nen Ásgeir!”
Ruft Sigurvinsson, Stuttgarts Recke
Der Heim-Geysir spritzt bis zur Decke

Lars Lagerbäck, der Entertainer
Halb Knäckebrot, halb Fußballtrainer
Darf sich nun stolz infolgedessen
Mit ganz Europas Größten messen

Nicht mal auf ’ne halbe Million
Kommt die erstarkte Kicknation
Zu allen, die jetzt wieder greinen
Sag ich ganz forsch: “Her mit den Kleinen!”

Ob Wales, Albanien, Österreich
Nordirland, Ungarn – ’s ist mir gleich
Lasst die mal übers Spielfeld tollen
Wenn Hollands Kicker halt nicht wollen

Island ist meine Lieblingsnation bei dieser Europameisterschaft, da führt kein Weg dran vorbei. Bereits die Tatsache, dass der kecke Nordmann bei der Begrüßung nicht einfach „Moin“, „Hallo“ oder „Gude“ murmeln kann, sondern präzise auf das Gegenüber angepasste Sprachformeln beachten muss, macht ihn schon sympathisch. Ich stelle mir vor, wie auf dem Platz die grauen Zellen rotieren, wenn bei lautstarker Ankündigung einer reinkommenden Ecke die Tatsache, dass eine Ansammlung von Männern anvisiert wird, sprachlich berücksichtigt werden muss. Statt „Linie“ heißt es sodann beim Losschicken des Flügelflitzers etwas in der Richtung „Einzelner junger Mann links außen, ich entsende dir Gruß und Ball“. Herrlich.

Wer Ásgeir Sigurvinsson aus dem Gedicht nicht kennt, das war der wohl immer noch bekannteste isländische Fußballer in der Bundesliga. Spielte von 1982-1990 beim VfB Stuttgart, holte 1984 den Meistertitel und trainierte das Nationalteam von 2003-2005. Aktuell erledigt diesen Job der Schwede Lars Lagerbäck, über den ich schon 2010 als Trainer von Nigeria schrieb:

Den Auftritt dieses Mannes als dröge zu bezeichnen, ist schon ein Ausbund an Untertreibung. Ich stelle mir den ersten Arbeitstag als ein richtiges Aufeinanderprallen zweier Kulturen vor; wo der Nigerianer es gewohnt war, gleich zu Beginn eine Voodoopuppe des gegnerischen Torwarts ins Torkreuz zu hängen, ein frisch geschlachtetes Hühnchen am Anstoßpunkt zu vergraben und sich mit dem Ball am Fuß vom eigenen Strafraum aus nach vorne zu dribbeln, muss er nun radikal umdenken. Quälend lange Seminare im kollektiven Knäckebrotkauen, Elchkuhniederstarren und Blutdruckmessen stehen auf dem Programm, um das aufbrausende Temperament der Westafrikaner zu zähmen.

 

Bekannteste Spieler im Kader der Isländer sind Sigurdsson (Swansea, vorher Hoffenheim), Torwart Halldorsson (Filmregisseur in Teilzeit), Bjarnason (Basel) sowie der fußballerisch schönstbenamte Sigthorsson, der passenderweise im Sturm aufläuft. Dem deutschen Fußballgucker bekannt: Finnbogasson (Augsburg) und Bödvarsson (Kaiserslautern).

Portugal ist Cristiano Ronaldo. Der Beste. Der Schönste. Champions League Sieger. Ebendort erfolgreichster Torjäger. Albtraum meiner durchwälzten Nächte, weil ich Fußball immer noch als Mannschaftssport und nicht als One-Man-Show sehe. Ich würde mich so freuen, wenn der heute gegen ein paar kernige, vollbärtige, Amon Amarth-hörende, nordische Innenverteidiger kein Jota Land sähe. Frei nach dem Motto „Büschel weit bis übers Kinne, rauben Cristianos Sinne“. Aber nix. Ich hab sie mir angesehen. Alles glatt rasierte, brave Jungs.

„Jeder für jeden“ heißt es bei der DFB-Elf als Motto. „Einer macht alle“ bei den Portugiesen. Denn abseits von Ronaldo gibt es keine zuverlässigen Torjäger. Sturmpartner Nani ist zwar schnell und dribbelstark, hat aber den Killerinstinkt eines Wurfs Golden Retriever-Welpen. Hinten steht weiterhin Schauspielaspirant und Raubein-Rüpel Pepe, der wahrscheinlich eher mal einen umhaut als der ganze Abwehrriegel der Isländer.

Die EM-Historie besagt unmissverständlich: Portugal überstand bei seinen Teilnahmen jedes Mal die Gruppenphase. Damit muss ich leben. Aber bitte, lieber Fußballgott, lass Ronaldo heute nicht zwei oder mehr Tore schießen und letzten Endes gar zum Star des Turniers werden.

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