Belgien – Italien (Vorbericht)

Fragt man nach typisch belgischen Dingen, fallen oft die Antworten „Pommes“,“Waffeln“, „Bier“, „Europäische Union“, „Dutroux“ und seit neustem „Terroristenhort“. Fängt gut an, eskaliert dann aber mehr als deutlich ins Negative. Ich würde mich auch schwertun, innerhalb der letzten beiden Begriffe einen Trend nach oben zu attestieren. Der Chef der nationalen Tourismusbehörde ist wahrscheinlich ein alter, verbitterter Mann mit dicker Zigarre im Mundwinkel und einem schal gewordenen Jupiler in der Hand. Gerne würde er die wunderbar durchblutete Wangenhaut von Kevin de Bruyne auf den großen LED-Anzeigen dieser Welt promoten, aber ojeh, gewonnen hat der Bursche bis dato leider nichts. Okay, DFB-Pokal 2014/15 und DFL-Supercup 2015/16. Und mit Belgien war er eine Zeitlang die Nr.1 der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. Naja. Eher nicht so prickelnd.

Gefühlt sind die Belgier seit mehreren Jahren Titelaspirant und Geheimfavorit, noch bevor der Ball zum ersten Mal aufs Feld geworfen wird. Dabei war man bei der letzten EM 2012 gar nicht dabei und die beiden vornedran noch weniger. Mein kicker-Sonderheft verteilt im Rausch 5 von 5 Sternen, also muss da jetzt wirklich was kommen. Vom Spielermaterial her alles am Anschlag: Courtois im Tor Weltklasse, Fellaini wird in jedem Fall zur geilsten Frisur des Turniers gewählt werden, im Mittelfeld neben de Bruyne Hochkaräter wie Dembélé, Hazard und Witsel, vorne Benteke, Lukaku, Mertens und der junge Origi. Nicht dabei: jemand aus der Bundesliga. Da sitzt wohl so mancher Deutscher Dr.Evil-like mit dem kleinen Finger an den Lippen vor dem Fernseher, wenn die Premier League-Kicker auf der großen Bühne versagen sollten. Ich natürlich nicht, denn dem Trainer, Kampfschwein und Schalker Helden Marc Wilmots drücke ich bedingungslos die Daumen.

Mit dem deutschen Abwehrspiel gestern zwischen der 20. und 45. Minute hätte man Großteile der italienischen Bevölkerung in den kollektiven Herzkaschper schicken können. Italiens Abwehrrecken Chiellini, Bonucci und Barzagli weinten sicher Tränen, die freilich als kleine Brocken aus der Felskantigkeit ihrer Gesichter hinabrollten. Selbst Gigi Buffon im Tor verging kurz das herzerwärmende Lächeln und er musste sich kurz selbst in den Arm nehmen. So schlimm war das!

Ich kann jetzt keine Statistik anführen, aber rein von meinem subjektiven Feelinggefühl her spielen die Azzurri traditionell in der Vorrunde eines Turniers großen Quattro Formagi. Irgendwie sehe ich auch heuer die Punktetabelle vor mir, die stabile 3 Punkte bei 1:1 Toren ausweist. Lässigkeit und Chaos in Form von Pirlo und Balotelli sind nicht mehr dabei, vorne fehlt der treffsichere Torjäger. Angesichts der erschütternd bitterlichen Torarmut (ich habe gerade Spanien gegen Tschechien durchlitten) bei diesem Turnier scheiden die Italiener möglicherweise aus, ohne dass es jemandem auffällt. „Betrug!“ wird dann der gerne „Betrug!“ rufende Tifosi rufen. Überhaupt: Weshalb sind mit Belgien und Italien zwei Qualifikationsgruppensieger zusammengelost worden?

Betrug!

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