Türkei – Kroatien (Vorbericht)

Ein Kampf auf Leben und weit über den Tod hinaus. Blut wird fließen, Körper werden vor Nationalstolz bersten, ich selbst würde sicherheitshalber den Sessel vorm Fernseher ein paar Meter nach hinten stellen. So ist das halt, wenn heißblütige Mannschaften aufeinandertreffen. Monatelang üben die beiden Kapitäne furchteinflößende Bedrohungen für das Händeschütteln vor dem Anstoß. Man studiert ein paar alte Manowar-Schriftrollen, schaut sich die Klingonen-Folgen bei Raumschiff Enterprise an und malt nochmal die Conan, der Zerstörer-Bilderbücher aus. Um so schließlich gewappnet, dem Feind folgende Heldenprosa entgegenzuschleudern:

„Unser Blut wird die Torlinie verkleben, so dass fortan kein Ball darüber zu rollen vermöge!“
„Unsere Knochen werden so zahlreich verstreut auf dem Feld der Schlacht liegen, dass es euch beim Dribbeln auf die Fresse haut!“
„Unsere toten Gedärme schlingen sich um eure weibisch-haarlosen Beine!“
„Unsere Bengalos leuchten schöner!“
„Unsere Böller fliegen weiter!“

Gut möglich übrigens, dass der türkische Präsident Erdogan im Stadion ist, allerdings erzürnt abreisen wird, weil man ihn nach seiner Einwechslung nicht aufs Tor schießen lässt. Zitat: „Euch Kroaten scheiße ich mit meinen Flüchtlingen zu!!!“

Im kicker-Sonderheft zur EM erhält die Auswahl der Türkei nur einen Stern von fünf möglichen. Nur einen! Und nicht mal einen zusätzlichen Sichelmond. Skandal, der deutsche Botschafter ist bereits einbestellt. „Platz drei wäre das höchste der Gefühle“, schreiben diese „Journalisten“. Hier wird ein ganzes Volk beleidigt! Ja, die Qualifikation hat man nur als bester Gruppendritter geschafft, weil der Kasache dem Letten einen Ball ins Tor gehumpelt hat und die UEFA-Mathematiker deshalb die Türken toll fanden. Bitte nicht genauer nachfragen. Hat wahrscheinlich was mit dem Schmetterlingseffekt zu tun.  Aber die meisten Spieler verdienen ihr Geld in der nach eigener Einschätzung besten Liga der Welt, nämlich zweifelsfrei der türkischen. Bekannte Ausnahmen sind Calhanoglu (Leverkusen), Sahin (Dortmund), Malli (Mainz), Turan (Barcelona) und das Riesentalent Mor (demnächst Dortmund). Viele aus Deutschland  also, denen würde ich nicht trauen und besser mal draußen lassen.

Der Kroate hingegen hat drei Sterne bekommen: Modric (Real Madrid), Rakitic (Barcelona), Mandzukic (Juventus), drei klare Fußballstars. Ich ahne so langsam, wie das mit der Wertung zusammenkommt. Die zählen einfach die bekanntesten Kicker und für jeden gibt’s ’nen Stern. Schon clever. Macht die türkische Wertung aber noch schlimmer. Weil das sind allesamt Stars, wenn man die Türken vor einem Spiel oder im Anschluss an einen Sieg ihrer Mannschaft fragt.

In der Mitte und vorne die Künstler, hinten die Kämpfer. Vor allem Stammtorhüter Subasic kämpft gerne leidenschaftlich, dummerweise sehr oft mit dem Ball. Die Verteidigung gerne mal behäbig und vom internationalen Niveau her eher untoll, ich zähle jetzt hier keine Namen auf, die ich eh zusammensuchen müsste. Das Wichtigste ist: Bei beiden Teams würde ich nicht wollen, dass sie gegen unsere Jungs kommen. Bei den Kroaten, weil die uns gerne mal ärgern und bei den Türken, weil ich den „deutschen Jungs“ dort die innere Zerrissenheit ersparen möchte. Zumindest im Achtelfinale kann in der Hinsicht nichts passieren. Danach aber bitte auch nicht.

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