Deutschland – Ukraine (Vorbericht)

Ich bin absolut tiefenentspannt. Mir kann keiner was. Uns kann keiner was. Wir sind Weltmeister und das bleiben wir in jedem Fall. Eigentlich sind wir ja auch amtierender Europameister, wenn ich das mit der Mengenlehre in der Grundschule nicht komplett falsch verstanden habe. Von wegen Europa als Teil der Welt und so. Ein klarer Fall von Inklusion (Hochwissenschaftlicher Link auf diese mathematische Funktion, die ich nicht verstanden habe) und die ist immer gut und richtig, da kann mir der Spanier seinen nachgemachten Pokal von 2012 (eine originalgetreue Nachbildung kriegt er erst, wenn er das Turnier zum dritten Mal hintereinander gewinnt) so oft unter die Nase halten wie er will.

Auch der Jogi scheint eher locker drauf zu sein. „Ischt alles guud“, murmelt er tantramäßig vor sich hin. Fehlerfreie Abwehrarbeit ist bei dieser EM bisher eh nicht so der Hit, da klaffte doch so manche Lücke hinten im Verbund. Wie der Schweizer etwa desöfteren die lässige „Ach komm, lass mal laufen“-Attitüde präsentierte, das verströmte Leichtigkeit, Esprit, Abgeklärtheit. Eine Ausstrahlung, die auch des Weltmeisters würdig erscheint. Freistöße hingegen sind der heiße Shit, von den britischen Mannschaften just en vogue geschossen. Aber dafür haben wir ja den Kroos mit seinem Goldfuß. Hohe Flanken und Einnick-Kopfbälle sind ebenfalls ein klarer Trend dieses Turniers. Dafür haben wir vorne Klose… leider nicht mehr. Stattdessen Götze. Naja, dann doch vielleicht eher, ähm, Gomez. Okay, gehen wir mal zwanglos davon aus, dass ein Treffer à la Giroud oder Schär für uns so realistisch ist wie ein Flugkopfball vom Rand des Strafraums in den Winkel von Mesut Özil.

Vermisst eigentlich jemand Franz Beckenbauer? Falls wirklich ja, hier drei Sprüche, die er gebracht hätte: „Der Ukrainer ist kein Slowake“, „Sonne ist nicht Regen“, „Ein Sieg ist keine Niederlage“. Thema erledigt.

Der für mich wichtigste Spieler: Jonas Hector. Auch „der Saarländer“ genannt. Okay, niemand nennt ihn den Saarländer. Bei der Saarbrücker Zeitung weisen sie aber vor lokalem Stolz immer wieder darauf hin und haben wahrscheinlich einen extra Redakteur, der in die dpa-Meldungen und -Artikel zu Hector stets noch rasch den Zusatz „der Saarländer“ reinknibbelt. Wie auch immer. Guter Mann, solide, stabil, läuft die linke Seite hoch und runter. Mir hat übrigens jemand das bombensichere Gerücht zugetragen, dass er nächste Saison zu Schalke 04 wechselt. Falls das doch noch so kommt, hier stand es als erstes.

Mein Bruder kann immer noch nicht mit Shkrodan Mustafi. Wenn eben jener heute statt des verletzten Rüdiger in die Abwehr rückt, darf ich mir wieder großes Gejammere anhören. „Der Vorname Shkrodan erinnert an Skrotum und das ist bekanntlich der Hodensack. Da weiß der Gegner sofort, da müssen wir drauf, das ist die Weichstelle“. Manchmal gucke ich auch mal gerne alleine Fußball.

Mit den Ukrainern muss man feinfühlig umgehen. Die haben einen Krieg im eigenen Land und intern zoffen sich die Spieler aus Kiew und Donezk. Wenn da jetzt noch im Verlauf des Turniers plötzlich der Russe wieder vor der Tür steht, endet das wieder in Tränen, Wut und Trauma. Daher sehe ich uns in der Fürsorgepflicht, den Burschen einfühlsam, aber bestimmt mit einem klaren Sieg den Weg aus der Endrunde aufzeigen.

So, der Anpfiff naht. Wer jetzt rummeckert, dass ich von den Ukrainern keine Spieler beim Namen genannt habe: Yarmolenko und Konoplyanka sind wohl derzeit die auffälligsten ukrainischen Kicker. Stepanenko hingegen hat Krach mit Yarmolenko, ja ihm sogar die Freundschaft gekündigt. Eine Information, die man zwischen dem 3:0 und dem 4:0 für unsere Mannschaft mal locker einstreuen kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s