Vorgedanken (1)

MODUS

Europameisterschaft 2016. Diesmal mit erhöhter Teamanzahl, genauer gesagt vierundzwanzig.  Ist ja mittlerweile fast wie bei Wahlen zum europäischen Parlament, Bundeswehr oder Darmspiegelung – es darf jeder mal mitmachen, so er sich nicht komplett blöd anstellt. [Wer mag, darf jetzt Matze Knop für einen voll geilen Holländer-Witz anrufen, und diesen in die folgende Zeile kleben. Ich warte solange.]

Wenn man es überdenkt, ist das ganze Spektakel durch diese Erweiterung keine EM mehr. Ich schlage daher vor, diese Veranstaltung von nun als Weitreichende Europa-Meisterschaft zu benamen, kurz WEM. Wie in „Im Viertelfinale ham wir den Ronaldo abba mal sauber rausgeWEMst“ oder „Benzema fühlt sich weiterhin ausgebootet und möchte für sein Heimatland mitWEMsen“. Wemsen gibt’s doch noch nicht als Verb, oder?

24 Mannschaften bedeuten erstmal reichlich Spiele in der Vorrunde. Danach fahren aber nicht wie gewohnt die Hälfte der Jungs wieder zu Mama zurück, wo eine schöne Portion dampfender Schimpf und Schande auf den Teller kommt sowie der Mob mit brennender Fackel und ausgedrucktem Facebook-Kommentar vor der Haustüre wartet. Nö. Vier von sechs Gruppendritten verbleiben mit ihrer wahrscheinlich zuschauerbeleidigenden Interpretation von Fußball weiterhin im Turnier (*hust*, Italien, *hust*). 1994, bei der WM in den USA, wo man das letzte Mal ein 24er-Feld bei einer Endrunde ausspielte, hatte das noch durchaus Sinn gemacht, damit die Cowboys auch mal die Luft im Achtelfinale schnuppern durften (wo sie dann von Brasilien mit 1:0 zerlegt werden sollten). Aber heute ist diese Milde generell untoll und nimmt dem Sport die Schönheit des Makels des frühen Ausscheidens.

Mein Vorschlag daher: Alle knapp 50 europäischen Länder zum Vorspielen einladen. Gepflegt im Rahmen eines formellen UEFA-Treffens, wo man sich als Funktionär dann gleich auch über aktuelle Bestechungsumgangsformen, frische Steuersparmodelle, neue Escortservices oder knackige Fitnesstipps fürs hohe Alter austauschen kann. Spielzeit 45 Minuten, jeweils zwei zugeloste Teams gegeneinander und wer keinen Ball hinter die Linie pummeln kann oder es nicht mal wenigstens erfolgsversprechend versucht: Tschüß, war schön, bitte nicht wieder melden. Gut möglich, dass dann nur ein halbes Dutzend Teams übrig bleiben, aber das soll dann halt so sein. Was man allerdings tunlichst vermeiden sollte, wären Zuschauervotings wie beim Eurovision Song Contest. Sonst spielt bei der EM auf Ewigkeit Russland gegen halt was so um Russland drumherum liegt.

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2 Gedanken zu “Vorgedanken (1)

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