Spanien – Italien 4:0 (Nachbericht)

Spanien wirbelt die Italiener im Schnellwaschgang durch. Mit 4:0, dem höchsten Finalsieg aller Zeiten, sichern sich die Spieler von Trainer del Bosque den Titel. Kann man nur gratulieren und den Hut vor ziehen. Ein Hinweis: Wer auch immer zuständig ist für die Wahl zum Weltfußballer des Jahres, ich würde Xaviniesta vorschlagen. Also einen von ihnen, gerne auch beide. Sehen zwar aus, als würden sie bei LIDL nachts die Regale auffüllen, aber sie haben die Passgöttlichkeit im Fuß schlummern und wecken sie zu passenden großen Anlässen.

Wie heute. Schon in der 14. Minute zerschneidet Iniesta mit einem Steilpass auf Fabregas die italienische Abwehrkette, dieser flankt auf den in der Mitte lauernden David Silva, der nur noch den Kopf in die Richtung des Balls halten muss – das 1:0. Dieses Mal waren die Spanier früh dran mit der Chancenverwertung. Die zweite Gelegenheit reingemacht, vorher schoß Xavi in der 10. Minute knapp übers Tor.

Italien wehrt sich, kämpft, spielt mit, aber gegen die spanische Abwehr kommt kein Balotelli und kein Cassano durch. Selbst Chipper Pirlo findet keine Lücke. Eckbälle werden reingeschaufelt, Weitschüsse werden ausgepackt, aber Einhand-Casillas lässt keinen Ball hinter sich gelangen. Stattdessen in der 41. Minute ein Geniestreich von Xavi, der zentimetergenau in die Lücke zum gazellenhaft dahinsprintenden Linksverteidiger Jordi Alba spielt. Gegen dessen Abschluss ist Buffon machtlos – 2:0.

Die Italiener damit in einer ähnlichen Situation wie wir am letzten Donnerstag. Immerhin war es bei uns kein Finale. Rückstand gegen einen dominant aufspielenden Gegner, der – das nebenbei – später eigentlich zusätzlich noch einen Handelfmeter zugesprochen bekommen hätte müssen. Aber es hilft ja nichts. Wenige Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte sorgt der eingewechselte di Natale zweimal für heftige Unruhe im spanischen Abwehrzentrum, doch Casillas ist auf dem Posten.

Die Entscheidung in der 61. Minute. Kein Tor von Spanien, sondern eine Verletzung des erst vor vier Minuten eingewechselten Thiago Motta. Eine Oberschenkelzerrung lässt das ganze Finale entspannen. Denn Prandelli kann nicht mehr austauschen, hat bereits drei neue Feldspieler gebracht. Die Folge: Italien spielt mehr als eine halbe Stunde in Unterzahl gegen Spanier, die mit zwei Toren Vorsprung führen. Das ist so, als würde im Tennis Rafael Nadal mit 2:0 Sätzen vorne liegen, er selbst spielt auf Sand, während der Gegner in seiner Hälfte knietief im Schlamm watet. Mit einem Loch in der Bespannung seines Schlägers.

Zwei Kontertore von Torres (84. Minute, tödlicher Pass: Xavi) und Mata (88. Minute, Vorarbeit: Torres) beenden den ungleichen Kampf endgültig. Ein bisschen leid taten sie mir schon, die Italiener. Ich hätte ihnen eine faire Chance auf ein Herankommen gegönnt. Aber unter diesen Umständen hatten sie nicht den Hauch einer Chance. Ob wir es besser gemacht hätten? Ich bezweifle es. Selbst mit drei Drecksäcken, zwei Kampfschweinen und einer euphorisch gebrüllten Hymne.

Damit endet das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch zur Fußball-EM 2012. Es war mir wie immer eine Ehre und Freude zugleich. Vielen Dank allen treuen Leserinnen und Lesern, die mir mit Kommentaren, Tweets, Facebook-Likes und Flattr-Beiträgen eine schöne Zeit bereitet haben. Zum Abschluss noch der musikalische Rausschmeißer und was passt da besser als ein Song der Einlaufmusikproduzenten Two Steps from Hell. Haltet den Ball hoch!

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5 Gedanken zu “Spanien – Italien 4:0 (Nachbericht)

  1. Man ey … wieder zwei Jahre warten. Oder aber … nunja … das unfassbar kompetenzfreie Olympiatagebuch … oder Bundesliga … oder …

    Hast mir auch in diesem Jahr wieder viel Freude gemacht 🙂

  2. Danke an alle, aber ich denke, das war’s mit dem unfassbar kompetenzfreien WM/EM-Tagebuch. Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass es 2014 eine Fortsetzung geben wird. Vielleicht schafft es die DFB-Elf ohne mich, den Pokal zu holen.

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