Portugal – Spanien 2:4 (n.E.)

Eines dieser Spiele, mit denen man wohl niemals einen Amerikaner von der Faszination des Fußballs überzeugen könnte. Man könnte anpreisen, wie aufopferungsvoll die Portugiesen das Angriffsmuster der Spanier durchkreuzt haben, wie der amtierende Welt- und Europameister nie zu seinen gefährlichen Spielzügen kam, weil vom Gegner schon im Aufbau dagegengehalten wurde. Wie Spanien andererseits jedoch in der Verlängerung die schwindenden Kräfte Portugals nutzte und auf den Sieg drängte. Wie selbst ein Cristiano Ronaldo sich in den Dienst seiner Mannschaft stellte. Der Ami wäre während der 120 Minuten mindestens ein Dutzend Mal zum Hot Dog-Stand getrabt, würde sich das alles anhören und dann entgegnen: „Dude, that was fucking boring“ .

Kein Spiel der großen Torchancen in der ersten Hälfte. Auf meinem Zettel stehen Arbeloa mit einem knapp über den Balken gezogenen Schuss in der 9. Minute, Iniesta in der 29. Minute, der die Kugel vorbeizirkelt und Ronaldo mit einem Flachschuß, der hauchdünn am rechten Pfosten vorbeirollt. Sonst kommen Xavi & Co. kaum mal vor den Strafraum, sondern werden bereits vorher im Aufbauspiel entscheidend gestört. Kein Tiki-Taka, eher Kampfi-Krampfi.

Zweite Hälfte: nicht viel mehr. Bewundernswert, wie die iberischen Nachbarn ihre läuferisch sehr fordernde Ordnung auf dem Platz aufrechterhalten. Rui Patricio muss in der 68. Minute gegen Xavi eingreifen, Hugo Almeida auf der anderen Seite schießt  zweimal überhastet und sinnfrei von links außen direkt aufs Tor, CR7 post sich bei Freistößen wieder ins Halbkoma, erzeugt aber keine Gefahr. Trotzdem hätte der Superstar in der 90. Minute einen Konter zum entscheidenden Schlag abschließen können. Doch er schießt einen Almeida. Verlängerung.

In der Spanien nochmals auf die Tube drückt. Riesenchance durch Iniesta in der 104. Minute, Alba steckt durch, der WM-Torschütze schießt überlegt, aber Patricio wehrt ab. Jesus Navas rettet Spanien diesmal nicht (111. Minute), Pedro vertändelt einen Konter. Elfmeterschießen. Alles wartet auf den letzten Strafstoß durch CR7. Oder alternativ auf dessenTränen.

Weder noch. Nach zwei vergebenen Versuchen (Xabi Alonso, Joao Moutinho) treffen Iniesta, Pepe, Piqué und Nani. Sergio Ramos macht den Panenka. Bruno Alves trifft die Unterkante der Latte, der Ball springt zurück. Cesc Fabregas schließlich hat das Quäntchen Glück mehr – sein Schuss wird vom Innenpfosten über die Linie geküsst. Spanien steht im Finale.

Verdient, wenn man die wenigen Chancen betrachtet plus den betriebenen Aufwand in der Verlängerung. Der portugiesischen Elf muss man allerdings großes Lob zollen für ihren Einsatz, mit dem sie das spanische Kombinationsspiel über weite Strecken unterbunden haben. Aus Respekt vor dieser Leistung schreibe ich jetzt nicht den von mir so gerne geänderten Text auf „Seven Nation Army“ hin. Ich summe das Lied nur leise, denke mir die Strophe und grinse ein wenig in mich hinein. Komm gut nach Hause, Cristiano.

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