Deutschland – Italien 1:2 (Nachbericht)

Das war’s. Wir sind draußen. Zweimal eiskalt abgeduscht von Mario Balotelli. Zwei dicke Fehler hinten in der Verteidigung. Das 1:2 liest sich knapp, aber es waren letzten Endes knapp 60 Minuten quälendes Hoffen und erfolgloses Bemühen. Steffen Simon war wohl der Einzige, der noch an ein Weiterkommen geglaubt hat. Aber das hier ist 2012 gegen Italien und nicht 1982 gegen Frankreich in der Verlängerung. Zwei Tore Vorsprung des Gegners sind auf dem Niveau von keiner Mannschaft mit einem Klacks aufzuholen. So mein Gedanke zum Ende der ersten Hälfte. Ich hätte gewünscht, ich hätte mich geirrt.

Für meinen Bruder waren die Schuldigen schnell gefunden: Oliver Pocher auf der Tribüne, Steffen Simon am Mikrofon, Mario Gomez im Sturm und Lukas Podolski aus welchem Grund auch immer. In Wahrheit lag es an zwei Patzern: der erste, fast tragisch zu bezeichnen, in der 20. Minute von Mats Hummels. Cassano darf sich einfach nicht mit einer Drehung eine derartige Position zum Flanken erarbeiten. Dass Balotelli dann besser steht als Badstuber ist fast nicht zu verhindern. Hummels wird sicher mal ein Großer, aber in den Zweikampf ist er mit der Naivität eines Zweijährigen reingegangen, der seinen Schnuller verloren hat.

Noch schlimmer das 0:2 in der 36. Minute: nach einem von Buffon weggefausteten Eckball(!) kann Montolivo eine weite Flanke schlagen, die für Lahm zu hoch kommt und Balotelli alleine auf weiter Flur zu Neuer schickt. Der Abschluss des Italieners ist an Grausamkeit fast nicht zu toppen. Was hilft dir der wahrscheinlich beste Torwart der Welt, wenn der Ball so an ihm vorbei ins Netz gedonnert wird, dass er nicht mal die Hände rechtzeitig hochreißen kann?

0:2 gegen Italien, da hätte man früher direkt aufgehört und sich zum Handshake plus Verabschiedung am Anstoßpunkt getroffen, um zeitig nach Hause zu kommen. Heute ist das leider nicht anders. Es hat keinen Sinn, all die Chancen der Deutschen aufzuzählen, vom guten Start mit Hummels, dessen Irgendwie-mit-Bein-Schuss von Pirlo vor der Linie geklärt wird über das Fast-Eigentor von Barzagli. Was wäre das für ein Spiel gewesen, wenn einer davon reingegangen wäre? Es schmerzt, daran zu denken.

Stattdessen Rückstand. Bemühen in Form von Fernschüssen (Khedira, Reus, Lahm), aber Bemühen bedeutet in einem EM-Halbfinale halt nur Zeitvergehenlassen ohne Torerfolg. Reus ist in der 62. Minute mit einem fulminanten Freistoß einem Treffer am nächsten, doch Buffon lenkt den Ball mit den Fingern an die Latte. Jeder Ball ein Italiener, jeder Schuss Buffon. Sofern Hoffnung da ist, schwindet sie von Minute zu Minute.

Italien hingegen kontert schon gar nicht mehr. Marchisio weigert sich, das entscheidende 0:3 zu erzielen, Diamanti schliddert nur noch, nimmt den Ball als lästigen Rutschpartiepartner mit, Di Natale verzieht. Sowas rächt sich doch, denkt der Beobachter, aber nicht gegen Italien. Hummels scheitert kurz vor Ende der regulären Spielzeit an italienischem Bein in Kooperation mit Buffon.

In der Nachspielzeit plötzlich Handspiel von Balzaretti. Schießt Schweinsteiger? Muss der Bursche sich jetzt noch ein Trauma abholen? Nein, Özil tritt an und verwandelt. Neuer erklärt seinen Strafraum zur torwartfreien Zone, Steffen Simon malt bereits Großbuchstaben auf seinen Notizzettel, will den Ausgleich stimmlich herbeichoreografieren – und wird vom Schiedsrichter so kühl abgewürgt wie es die Italiener mit den Deutschen bei ihren Treffern taten.

Aus, vorbei, ich bin leer. Wenigstens nicht wieder Zweiter geworden, mag sich der Bayern-Fan denken. Scheiße. Mist. Dreck. Was gibt es denn sonst noch so für interessante Sportarten?

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7 Gedanken zu “Deutschland – Italien 1:2 (Nachbericht)

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