Spanien – Frankreich 2:0 (Nachbericht)

Ich schreibe meine Nachberichte ja stichwortartig auf Karteikarten. Zu diesem Spiel habe ich nicht einmal eine Vorderseite ganz vollgekritzelt bekommen. Deshalb eröffne ich mit einem seltsamen Gedanken: die spanische Nationalhymne könnte aus Star Wars stammen, so als Überleitungsmelodie zu den Credits, wenn Han Solo und Prinzessin Leia am Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ geheiratet hätten. Ich weiß auch nicht, wie ich darauf komme. Stand aber auf dem Zettel.

Zum Spiel: nach 19 Minuten alles klar. Jordi Alba entfleucht durch unangekündigten Tempowechsel über links dem französischen Zugriff, flankt präzise herein, wo Xabi Alonso mutterseelenallein gegen die Laufrichtung von Lloris einköpfen kann. Sein Gegenspieler, Florent Malouda, definiert währenddessen 15 Meter weiter hinten das urfranzösische laissez-faire für den Fußball neu, indem er einfach stehenbleibt und dem Spanier bei dessen Sprint an ihm vorbei alles erdenklich Gute wünscht.

Was folgt und schon vor dieser Szene geschah: die Spanier spielen wie gewohnt PONG miteinander, die Franzosen finden sich in der Rolle der gestrichelten Mittellinie wieder. Nach 30 Minuten erste zaghafte Versuche der équipe tricolore, aber das kann man nicht mal als Nadelstiche bezeichnen, eher als Stoffbällchenwerfen auf spanische Verteidiger. Die mit Iker Casillas leider auch noch einen sicheren Schlussmann aufzubieten haben, wie er bei einem Freistoß von Cabaye in der 32. Minute beweist.

Zweite Hälfte: die Franzosen druckvoller, erarbeiten sich Fleißkärtchen und Mühepunkte, wenn es letzteres überhaupt geben sollte. Debuchy köpft in der 60. Minute eine Hereingabe des laufstarken Ribéry übers Tor. Benzema, bisher der Mann mit den meisten erfolglosen Torschüssen, zementiert diesen Status. Mehr habe ich nicht für die Franzosen.

Kurz vor Schluss ein klarer Elfmeter, verursacht von Reveillere am eingewechselten Pedro. Xabi Alonso verwandelt sicher.  Tom Bartels eruiert, dass Frankreich und Kroatien den Spaniern wehgetan hätten, ich kann allerdings in der Hinsicht beim besten Willen kein Pflaster oder ähnlich verräterische Spuren entdecken. Vielleicht meinte er ja die statistische Sensation, dass die Iberer in dieser Partie nur 62% Ballbesitz hatten. Zweifelhaft, ob sie sich davon erholen werden.  So, einer muss jetzt noch raus: In jedem Fall wünsche ich Clichy von nun an stille Tage.

Spanien – Frankreich (Vorbericht)

Komm, wen interessiert schon Spanien gegen Frankreich? Auf den Gewinner dieser Begegnung treffen wir doch eh erst im Finale. Da bin ich mehr Jogi als Jogi selbst – zuerst mal den nächsten Gegner ins Visier nehmen. Das Problem: der spielt erst morgen.

Frankreichs noch torloser Stürmerstar Karim Benzema sprach folgende markige Worte: „Meist gibt es bei mir Salat, Gemüse und Fisch“. Nein, halt, jetzt bin ich in die falsche Zeile des Artikels in der Saarbrücker Zeitung gerutscht. Also nochmal: „Gegen Spanien können wir für eine Überraschung sorgen. Das wird ein Krieg, und wir wollen ihn gewinnen“. Karim, der Gemüsesoldat, zieht also heute Abend in die Schlacht. Fragt sich nur, wieviele seiner Kollegen, die im letzten Spiel gegen Schweden formidabelste Kriegsdienstverweigerer abgegeben hätten, mitkommen werden.

Einen Lauf brauchen die Franzosen nicht. Da winken sie ab. Alleine, wie diese Deutschen im Turnier von Sieg zu Sieg eilen, 15 Pflichtspiele durch die banque nur gewinnen – wie langweilig, wie uninspiriert.  Pour quoi faire? Ich habe es ja schon geschrieben: die Franzosen wollen mich in den Wahnsinn treiben. Nach der Debakel-WM souverän die Qualifikation zur EM geschafft, in Freundschaftsspielen Siege gegen Deutschland, Brasilien und England gefeiert, einigermaßen brauchbar ins Turnier gestartet und dann einmal herzhaft mit dem großen Hammer der Melancholie auf das zarte Pflänzchen Hoffnung eingedroschen. 0:2 gegen Schweden auf der Heimreise. Zur Belohnung wartet nun Spanien.

Aber auch Donezk. Dort, wo die großen Triumphe *hüstel* gegen England und die Ukraine gelangen. Kiew hingegen passte Ribéry und Co. nicht ins Konzept. Zu stumpfer Rasen, zu nasser Rasen, zu grüner Rasen, man weiß es nicht. Das Finale findet dummerweise dort dann halt ohne die Franzosen statt. Wofür die Spanier sorgen dürften in Verbindung mit einem neuen französischen Innenverteidiger, denn Stammkraft (hier durchaus doppeldeutig in Bezug auf Schnelligkeit und Eleganz zu verstehen) Mexès ist gesperrt. Laurent Koscielny vom FC Arsenal soll es nun richten, der bisher international drei Mal den Gockel auf der Brust spazieren tragen durfte.

Was erwarten wir von den Spaniern? Tiki-Taka vor dem Sechzehner, bis einer aus der Verteidigung weint und den Ball durchlässt. Da lobe ich mir unseren Khedira und unseren Reus gestern Abend, die auch den Hauruckmodus im Fußball noch in ihrem Repertoire bereithalten. Die Statistik weist übrigens aus, dass die La Roja die Equipe Tricolore noch nie in einem Pflichtspiel schlagen konnte. Zusammen mit dem vorbereitetenden Hinweis von Laurent Blanc an seine Mannschaft, dass man wahrscheinlich nicht so oft in Ballbesitz sein wird wie die Spanier, kann doch eigentlich nichts schiefgehen, oder?