Deutschland – Griechenland (Vorbericht)

[Nikos, stöpsel die Bouzouki ein, Udo, wisch nochmal den Flügel ab,  es ist wieder soweit:]

Es war schon Morgen, als der Zeitungsbote kam
Sein Blick ist leer, sein Gang scheint schwer und voller Gram
Denn im Gepäck hat er den Dreck, der muss noch weg

Heut‘ spielen seine Griechen, doch die Freude trübt ein Blatt
Das außer Angst und Titten kaum was aufzubieten hat
Ich schenk ihm ein, den reinen Wein und er stimmt ein

BILD liest kein Schwein, nicht mal umsonst will’s jemand haben
Kommt, lasst es sein, wer will sich schon an Dummheit laben
Selbst schuld daran, ihr kriegt nicht ein Blatt an den Mann
Der denken kann

[Hellas! Oben drauf den Refrain aus dem EM-Tagebuch 2008 mit Update]

Griechische Mauern, sind die Seele unsrer Spiele
Lasst Gegner trauern, denn der Tore werdn’s nie viele
Niemand schenkt uns ein, wie Udo Jürgens einst den Wein
Das kann nicht sein
Mesut, mach ihn rein

Und damit ein herzliches Willkommen zum Vorbericht des Viertelfinales Deutschland gegen Griechenland. Ich befinde mich in der noch menschenleeren PGE-Arena zu Danzig, wo Bundeskanzlerin Merkel gerade ihre geheime Choreografie auf der Tribüne einübt. Ja, die Sensation ist perfekt, unsere Angela wird mitmachen können, ihre Performance wird anstelle von gut gelaunten griechischen Fans, die doch wirklich niemand sehen will, auf den Videowürfel übertragen werden. Und hier kommt schon der erste einstudierte Move:

Wunderbar, wie sie beschwingt tänzelnd den hinter ihr liegenden Schirm ergreift, ihn rhythmisch öffnet und wieder schließt. Das zermürbt, das verwirrt, das lässt erblinden, Rettung ausgeschlossen. Diese Frau hat Taktgefühl in den Beinen und den Killerinstinkt in den Augen. Nun der erhobene Zeigefinger, gepaart mit ausholenden Gesäßbewegungen und einem kecken „Oh-Oh-Oh-Oh-Oh-Oh“-Zitat aus diesem unerträglichen offiziellen EM-Song. Sicherlich geplant für den Fall einer griechischen Führung. Ich würde umgehend ins eigene Tor schießen wollen, nur um das nicht mitansehen zu müssen.

Geht noch was, kommt noch was? Oh ja! Aus ihrem Handtäschchen schält die nun zu allem entschlossene Regierungschefin ein überdimensioniertes Damen-Portemonnaie. Aufklappen, zuklappen, aufklappen, zuklappen. Jeder Griff sitzt. Samaras, den neuen Chef der Griechen und Sitznachbarn, wird es spätestens jetzt aus der Loge hauen. Großartig auch, wie diese unscheinbare Frau ihre Mundwinkel passend zum Klappzustand des Geldbeutels verziehen kann. Ja, nach oben hat sie noch Schwächen, aber nach unten jagt sie jedem griechischen Auge und Bein auf dem Platz Lähmungserscheinungen ein. Fazit: Muttis Liebling Schweinsteiger kann sich diese Partie erholen, er braucht keine Kilometer abzuspulen, um Lücken zu stopfen. Denn unsere Angie wird mit ihren Auftritten Löcher in der Größe der Brüsseler Altstadt in die griechische Abwehr reißen. Wir sind praktisch schon weiter, der Spanier ist bis zum Finale dann auch fällig. Und damit zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.

Das Spiel schreibt sich quasi von allein, da kann ich eigentlich jetzt schon den Nachbericht aufsetzen.  Bei den Griechen fehlt Antreiber Karagounis wegen einer Gelbsperre für eine falsche Schwalbe. Das kriegt auch nicht jeder hin. Aber: braucht man überhaupt einen Antreiber, wenn man eh nur mauern will? Frühzeitliche ägyptische Antreiber und Pyramidenbaufachkräfte würden diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten.

Griechenland mit defensiver Ausrichtung, kampfstark, verbissen, sein Angriffsheil in Standardsituationen wie Freistößen und Ecken suchend. Zwanzig Meter vor dem eigenen Tor dürfte sich ein weiß-blauer Wall erheben, in den unser Özil nach des Bundestrainers sicherer Prognose irgendwann hineinexplodieren wird. Aus der Lücke kann dann Gomez abstauben. 1:0. Reicht.

Damit würde Jogi Löw allerdings nicht zufrieden sein. Für die heutige Begegnung hat er nämlich die Parole „Blitzführung“ ausgegeben. Schließlich hat der Tscheche in seinem Vorrundenspiel gegen die Hellenen so den Sieg davontragen können. Zwei schnelle Tore, anlaufen lassen, ausbluten lassen, Ruhe. Ich bin mir aber fast sicher, der Projektname ist eine Abwandlung von Hansi Flicks ausgearbeitetem Vorschlag: Blitzsieg.

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