Deutschland – Griechenland 4:2 (Nachbericht)

4:2. Halbfinale.  Leichter als gedacht. Auch wenn ich bei einer Szene so sehr gehadert habe, dass selbst Josef Hader noch etwas von mir hätte lernen können. Die chronologische Abfolge:

Witziges schon gleich zu Beginn. Die griechische Mannschaft stößt an, spielt zurück und alle bleiben stehen. Hatte was von dem Monty Python-Video, nur ohne Togas. In Wahrheit ließ der Schiri den Anstoß wiederholen, weil der Ball vor Ablauf des Countdowns gespielt worden war. Den finde ich eh kompletter Nonsens, insofern gehen direkt erste Sympathiepunkte in den südöstlichen Teil Europas.

Eine Anfangsphase, die ich so nicht erwartet hätte. Viel Raum für die deutsche Elf, kein Abwehrbollwerk hier, kein ewiges Herumgespiele um den 16er dort. Stattdessen gefährliche Situationen, dynamische Deutsche, fahrige Griechen. Miro rutscht nach einem guten Querpass von Reus aus, erzielt kurz darauf ein Abseitstor. Es sind gerade mal vier Minuten vergangen.

Erwähnenswerte Aktionen der Griechen? Samaras drückt auf jedes Gelenk, dessen er habhaft werden kann, seinen Fußabdruck. Wenigstens bekommt der foule Schorsch dafür früh die gelbe Karte.

23. Minute: Das wäre ihre Explosion gewesen, Herr Özil. Klose auf Reus, der legt zauberhaft im Strafraum vor und Özil explodiert! Innerlich. Mit dem Fuß. Kein Schuss, eine Implosion. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass dem Schuh ein „pffffff“ entweicht. Da kann der Königliche alles am Ball, aber stumpf reinhauen kriegt er nicht hin. Mannomann.

Reus erarbeitet sich gute Gelegenheiten, der Bursche hat Potenzial, der darf wiederkommen. Schürrle setzt zu seinen Gedenkschüssen in die lange Ecke an, aber die Justierung stimmt noch nicht. Das Spiel beruhigt sich, die Griechen wirken sicherer, auch wenn ihr Torwart jeden Ball, der auf sein Tor kommt, zuerst mal nach vorne abprallen lässt. Béla Réthy zählt schon die Beinahetore. Ich bin verärgert. „Wir könnten schon seit 15 Minuten Scha-la-la-la-la singen!“

39. Minute: Der kleine Mann zeigt, was er kann. Philipp Lahm stößt nach vorne, passt nicht, guckt nicht, läuft und hält vor der Strafraumgrenze drauf – das 1:0. So macht man das, Hellas! Sifakis hat die Finger dran, ein guter Torwart hätte wohl mehr dahinter bekommen. Egal. Hauptsache Führung.

Relaxt in die zweite Hälfte. Was soll schon groß passieren? Der Grieche wird genau so weiterspielen, auf sein Tor in der 89. Minute hoffen. Bis dahin geht doch noch etwas.

Pustekuchen. Samaras gleicht in der 55. Minute aus. Was zum Teufel? Samaras, der blinde Langhaarträger! Schließt einen Konter ab, der von Salpingidis eingeleitet wird. Hinten schläft Boateng, überhaupt läuft die deutsche Abwehr zwar schnell mit, scheint im entscheidenden Moment aber abzubremsen. Du fasst es nicht! Alles dahin. Die schöne Ausgangsposition, die Sicherheit, die mentale Überlegenheit. Nun wartet der Grieche noch begieriger auf die Gegenstöße und kippt hinten den starrsten Zement auf, den er finden kann.

Doch es kommt und trifft ein Mann, dem man es nicht zugetraut hätte. 61. Minute: Stürmergott Sami Khedira hat auch in Madrid nicht verlernt, was die Spanier Özil dort wohl operativ entfernt haben: das Draufhalten mit allem, was der Fuß gerade so hergibt. Eine Flanke von Boateng, Klose verpasst, aber Khedira zimmert volley tormittig unter die Latte – das 2:1. Ein Mann wie Klosterfrau Melissengeist. Nie war er so wertvoll wie heute.

68. Minute: Klose nach einem Freistoß von Özil zum 3:1. Dafür brauchen wir den Miro. Den kannst du mit 63 noch um 2:00 morgens aus dem Bett holen und auf den Platz stellen, der köpft dir solche Flanken rein. Sifakis irrt herum und Schalkes Papa patzt. Der wird sich von ZDF-Twitterchef Hans Sarpei bestimmt was anhören dürfen. Mit einem Doppelschlag ist die Fußballwelt geheilt. Das müsste es gewesen sein.

74. Minute: Reus setzt noch einen drauf. Klose prüft den Torwart, der lässt – Überraschung! – nach vorne abprallen, der Neu-Dortmunder verwertet volley, trocken und humorlos. 4:1.

89. Minute: Elfmeter für die Griechen. Handspiel Boateng. Na gut, Jérôme, wenn es sein muss, lass die peinlichen Dinger halt jetzt raus, wo es keinem mehr wehtun kann. Mir bescherte die Aktion immerhin meinen ersten Tippspielgewinn, denn ich hatte auf einen Elfmeter Geld gesetzt. Salpingidis überwindet Neuer. 4:2. Der Endstand. Können alle glücklich sein. Wir haben verdient gewonnen, die Griechen sind nicht gedemütigt worden. Reus und Schürrle haben sich als gute Alternativen erwiesen. Jetzt gegen England oder Italien. Egal, Hauptsache danach Spanien.

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