Schweden – Frankreich 2:0 / England – Ukraine 1:0 (Nachbericht)

Kämpfende Ukrainer, ein gekaufter Wayne Rooney, Werbung für Torkameras und Franzosen, die mir einen Gewinn von 18,50 Euro versaut haben. Der Chronologie nach:

20. Minute: Reporter Gerd Gottlob macht verbotene Promotion für ukrainische Regimeopfer, aus Tymoshchuk wird Tymoshenko. Das gibt keinen Abschiedsgeschenkekorb vom Veranstalter, lieber Gerd!

Erste Halbzeit: Die Ukraine müht sich im Spiel nach vorne, versucht es zunächst mit Fernschüssen, später führen die Kombinationen auch in den Strafraum, doch richtig brenzlig sollte es nicht werden. England wartet zu sehr ab und verspielt so einiges an Kredit, den sie sich zuvor bei mir erarbeitet hatten. Rooney taucht nur auf, als er eine von Young wie auf seinen haarimplantierten Scheitel gezogene Flanke am Tor vorbeiköpft.

48. Minute: Gerrard spielt den Ball in den Strafraum, dort fälschen Rakytskyy und Welbeck ab, Torwart Pyatov ist irritiert, lässt die Kugel passieren, Rooney steht frei und trifft vorbildlich mit dem Kopf das leere Tor. „Wofür man ihn eingekauft hat“, meint Kommentator Gottlob. Rooney also ein Legionär? Woher stammt er wirklich? Bullterarien?

Mit dem Rückstand im Kopf spielen die Ukrainer plötzlich brandgefährlich auf. 61. Minute: Milevskiy bringt den Ball freistehend mit dem Kopf nicht unter. Er hätte sich nicht mal strecken noch recken müssen, einfach nur die Birne korrekt zum Ball justieren. Es soll nicht sein.

Der große Aufreger der Partie eine Minute später. Devic taucht frei vor Hart auf, schießt diesen an, der Ball fliegt Richtung Tor, Terry klärt mit Sprungeinlage. Wie die Wiederholungen zeigen werden, jedoch erst hinter der Linie. Da tobt der Oleg und der Michel wundert sich. Sehen Torrichter doch nicht alles? Freunde, jetzt muss der Oberschiri, die Torkamera, der Chip im Ball oder gleich der Oberschiri im Ball her. Was darüber alleine in der Ukraine in den kommenden Stunden, Tagen und Monaten ein Theater veranstaltet werden wird, das genügt in den kommenden Jahren für diverse Heldensagen und Verschwörungstheorien.

England scheint ein Garant für launige zweite Spielhälften zu sein.  Cole hier und Konoplyanka dort noch mit hochkarätigen Einschussmöglichkeiten, am Ende fehlt den Blau-Gelben aber die Kraft, um das Ruder herumzureißen. Trotzdem mein Respekt für die kämpferische Leistung, da waren die Polen am Samstag bei weitem schneller fertig mit ihren Bemühungen.

Frankreich verliert gegen Schweden mit 0:2, Ibrahimovic erzielte dabei einen sehenswerten Treffer. Ich hätte bei einem Unentschieden endlich mal Geld gewonnen, aber die Franzosen legen es ja darauf an, mich in den Wahnsinn zu treiben. Wenn sie halt gerne gegen Spanien spielen wollen, bitteschön. Ich mach jetzt Pause. Wir lesen uns am Donnerstag wieder.

Schweden – Frankreich / England – Ukraine (Vorbericht)

Einige Fragen sind gestern Abend durch meinen törichten Reimrausch unbeantwortet geblieben. Was macht der kroatische Fan mit den übrig gebliebenen Bengalos? Nimmt er die wieder mit nach Hause? Zündet er sie ebendort bei einem romantischen Candlelight-Dinner mit der Liebsten? Oder an einem strahlenden Sommermorgen in der Innenstadt von Krapina? Oder schickt er sie dem UEFA-Michel, der sie wiederum knallbedürftigen Arschlochkindern spendet? Wie gut, dass ich meine investigative Seite zumindest heute noch bei meinem journalistischen Engagement für Prawdanjet (ein Wort und bitte nicht nach dem zweiten „a“ trennen!), dem staatlich-ukrainischen Sportmeinungsbildungsblatt für Fußballverschwörung, Pyrotechnik und Gartenpflege, ausleben darf.

Der Engländer stellt sich nun also unserem über die Landesgrenzen hinaus beliebten Kollektiv in den Weg. Und betreibt dabei allerei falsches Spiel, Lug und Trug. Beispiele? Prawdanjet liefert sie! Wayne Rooney darf plötzlich wieder auflaufen. Einfach so, um unserer Nationalelf das Leben schwer zu machen. Offiziell heißt es, seine Sperre wäre abgesessen. FALSCH! Das englische Ärzteteam unterzog ihn einer zeitintensiven, kompletten Zellregenerierung mit Hilfe von umgebogenen Alphastrahlen, wie selbst absolut vertrauenswürdige Quellen nicht zu dementieren wussten. Verräterisch allein schon der mysteriöserweise wiederauflebende Haarwuchs. Doch die UEFA lässt es durchgehen.

Stürmer Andy Carroll wurde zweifelsfrei aus einem Zopfhaar von Zlatan Ibrahimovic geklont, wahrscheinlich erst kürzlich optimiert beim letzten Aufeinandertreffen Schwedens mit England. Nur so erklärt sich sein Kopfballtor zum damaligen 0:1. Danny Welbeck? Ein Gummiwesen vom Planeten Flurp, mit drei autofokussierten Sensoren für den Ball und einem tragbaren Raum-Zeit-Krümmungs-Manipulator. Welcher Mensch wurstelt sonst die Kugel mit der Hacke in der Luft ins lange Eck?

Das Schlimmste jedoch: Bei unserem Volkshelden Andriy Shevchenko wurde Wasser im Knie entdeckt. Das, liebe Leser, überschreitet eine Grenze! Redaktionelle Recherchen bei Wikipedia und im Pschyrembel haben ergeben: Das Knie ist kein Ausscheidungsorgan, FLÜSSIGKEITEN HABEN DARIN FOLGLICH NICHTS ZU SUCHEN! Vermutlich stecken dahinter abtrünnige altenglische Wassermagier, die bereits Stonehenge mit einer Toilettenspülung versehen wollten. Wiktor Fedorowytsch Janukowytsch, unser Präsident der Herzen, der wirklich nur Klone von großartigen Menschen wie sich selbst oder Mitgliedern der Regierungspartei zulässt und der Wasser bereits als Getränk weit von sich weist,  hat angekündigt, im Falle einer Niederlage unserer ehrlich und hart arbeitenden Mannschaft eine Untersuchungskommisson einzusetzen, die alle erzielten Tore und Punkte des Gegners für null und nichtig erklären wird. Die Wahrheit wird ans Licht kommen! Kauft Prawdanjet. Denn mit PR wird Leben besser. Schon heute.  (M. Inishmore für Prawadnjet)

Ein Absatz zur UEFA-Arithmetik, weil es mich in den letzten Tagen auch umtrieben hat. Alle dreschen auf diese Regel ein, wonach bei punktgleichen Mannschaften der direkte Vergleich und nicht die erzielten Tore Vorrang genießen. Aber das macht in einer bestimmten Konstellation Sinn. Setzen wir einfach mal Schweden statt Irland in Gruppe C. Zur Erinnerung: dort waren Spanien und Kroatien punktgleich vor dem letzten Spieltag, Italien konnte mit einem Sieg herankommen. Stellte man nun nur auf die erzielten Tore ab, hätte Italien eine mit 0 Punkten ausgeschiedene, frustrierte und lustlose B-Elf der Schweden sicher leichter wegballern können als die Spanier und Kroaten in ihren Spielen zuvor. Wobei Wegballern bei dieser EM bereits ein 2:0 oder 3:0 bedeutet. Mit den Iren klappte das natürlich so einfach nicht, die hauen sich rein, wenn im menschenleeren Stadion irgendwo ein grünes Kleeblatt auf den Rängen wächst.

Die Ausgangspositionen sind klar. Die Ukraine braucht einen Sieg über England, dem anderseits ein Unentschieden reicht. Frankreich darf sich sogar eine knappe Niederlage gegen Schweden leisten. Womit man bei den Hallodris mit dem Gockel auf der Brust durchaus rechnen kann. Für die Ukraine, die wieder in Donezk gegen den Fluch des Nichtgewinnenkönnens antritt, spricht eigentlich nur, dass ich – wie schon erwähnt – im kicker EURO Sonderheft das zweite Emblem der Mannschaft für die Stecktabelle herausgeknibbelt habe. Einen Wunsch hätte ich aber noch: bitte spielt’s nicht so langweilig wie gestern Abend die Mannschaften. Reimen als Zeitvertreib krieg ich nicht nochmal hin.