Polen – Russland (Vorbericht)

Für die Polen wird jetzt alles ganz einfach. Ein Klacks. Denn die Nervenbelastung ist wie weggeblasen nach der Eröffnung, wo das ganze Land gebannt auf die Beine der Landesauswahl blickte. Mit dem 1:1 gegen die Griechen kräuselte sich eine Welle der Entspannung durch die Weite der polnischen Städte und Dörfer. Die Bevölkerung hat verstanden: Erwartste was, kriegste nix. Erwartste nix, kriegste was. Vielleicht. Von daher lautet das Motto für heute Abend: „Mit frischer Lockerheit im Bein schenken wir dem Russen ein“. Denn der Nachbar im Osten ist nach seiner Glanzvorstellung Favorit – eine Bürde, an der er quälend zugrunde gehen wird. So denkt der gesamte polnische Tross. Das können die doch nicht ernst meinen, oder?

Ich will deren Lockerheit sehen, wenn Arshavin, Dzagoev und Pavlyuchenko wieder mit dem Hochglanzgewirbele anfangen. Eventuell hofft man ja, dass ein Punkt ausreichen könnte bei einem vorigen Unentschieden zwischen Griechenland gegen Tschechien. Dann nämlich könnte man die desillusionierten Kicker aus Prag und Umgebung im letzten Spiel auskontern, während die rastlosen Russen die Griechen zerpflücken. Solche Gedankenspiele würde ich erst gar nicht anfangen. Beim jetzigen Verlauf des Turniers würden mich selbst Kantersiege Griechenlands nicht mehr überraschen.

Russland könnte mit einem weiteren souveränen Sieg nicht nur die Stimmung im Mitgastgeberland von „abwartender Gelassenheit“ auf „kochender Volkszorn“ justieren, sondern auch den ersten Tabellenplatz zementieren. Was wiederum direkte Auswirkungen auf die deutsche Gruppe hätte. Platz 2 wäre für unsere Elf dann eher unangenehm, die Holländer würden sich mit Rückblick auf die EM 2008 ärgern, wenn sie im Viertelfinale das große Wiedersehen mit den roten Zylonen feiern müssten.

Den erschreckendsten Satz vor dieser Partie sagte Sbornaja-Trainer Dick Advocaat: „Ich habe keinen Kontakt nach Moskau“. Putin soll keinen Einfluss genommen haben (Medwedew dann ja automatisch auch nicht)? Der Holländer darf machen, was er will? Was ist denn dort los? Ich will wenigstens, dass ein paar Vorstandsvorsitzende von Gazprom sich einmischen und die besten Spieler heimlich nach Schalke schleusen. Das kann doch nun wahrlich nicht zu viel verlangt sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s