Spanien – Italien (Vorbericht)

Es naht der Einsatz meines Hosentaschen-Raúls. So nenne ich das kleine Bild des ex-Schalkers, das ich stets mit mir herumzutragen pflege. Wenn ich über Spanien reden, denken oder schreiben muss, hole ich es hervor, streiche gedankenverloren mit dem Zeigefinger darüber und erinnere mich daran, dass Spanier dem deutschen Fußballfan auch richtig Freude bereiten können.  Was für die Nationalauswahl bis dato nicht gilt. Zweimal standen die Iberer uns nun schon im Weg: 2008 im Finale, 2010 im Halbfinale. Und dieses Jahr?

Die Ausgangssituation ist sonnenklar, da brauche ich weder Kuh noch Ochs noch Eber als Orakel zu fragen: bisher hat kein Europameister seinen Titel verteidigen können. Spanien sollte also klar sein, dass spätestens im Finale eine Niederlage droht. Wäre es da nicht fair und sportsmanshiplike, wenn man unserer Elf in einem möglichen Halbfinale aus dem Weg gehen würde? Señor Raúl würde mir zustimmen. Und auf Señor Raúl sollte man hören. Der ist ein prima Kerl.

Überhaupt wird von vielen Seiten geunkt, dass nach der ganzen Titelsammelei der letzten Jahre im Pokalschrank der Selección eher ein paar Servietten und der Hall eines satten Rülpsers als alles verschlingende Gier und unstillbarer Hunger vorzufinden sind. Eine starke Auswahl stellen sie in jedem Fall, auch wenn David Villa und Carles Puyol verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen. Im Mittelfeld wirbeln weiterhin Xavi, Iniesta, Xabi Alonso und Cesc Fabregas – allesamt bodenständige Weltklassespieler, die sich keine Starallüren erlauben. Ganz vorne im Sturm könnte wieder der Killer des deutschen EM-Traums Fernando Torres auflaufen, der zwar 2011 bei seinem neuen Klub Chelsea zunächst spielte wie zehn Nächte stehengelassene Muschelsuppe, nun aber langsam seine Form findet.  Fernando Llorente vom Baskenklub Bilbao ist eine hochwertige Alternative.

Wenn was geht, dann in der Abwehr. Iker Casillas schwächelte zuletzt, Piqué wirkte unsicher und Sergio Ramos ist für Spanien das, was Pepe für Portugal ist. Einfach nochmal den Abschnitt über Pepe weiter unten lesen, dann wisst ihr Bescheid. Ich grüße alle Fans von Lionel Messi, zu denen diese zwei mit Sicherheit nicht gehören.

Manipulationsskandal. Bei diesem Begriff winkt der italienische Fan ab und schüttelt den Kopf. Aus seinen Augenwinkeln allerdings blinzelt der wissende Schalk. Denn bei den WM-Titeln 1982 und 2006 ging ähnliches Gemauschel voraus. Der letzte Gewinn einer Europameisterschaft liegt mit 1968 schon eine wettbeträchtliche Zeit lang her. Da könnte man schon auf Gedanken kommen. Wie die Italiener wirklich einzuschätzen sind, weiß wohl nur der freundliche Mitarbeiter im örtlichen Mafiaservice-Center. Testspiele haben für gewöhnlich keinerlei Aussagekraft, weil sie kaum gewinnbringende Quoten abwerfen.

Zwei Tore kassierten die squadra azzurra in der Qualifikation, Buffon im Tor und Pirlo im Mittelfeld stehen für langjährige Erfahrung. Laut kicker EURO-Sonderheft ist der Catenaccio Vergangenheit und hat die italienische Außenverteidigung mit Domenico Criscito  Christian Maggio ihre Vorzüge im Spiel nach vorne – was ich beides erst glaube, wenn ich es sehe.

Einen eigenen Absatz schließlich verdient Stürmer Mario Balotelli, den man mit dem Begriff Skandalnudel nur unzureichend beschreiben kann. Der Mann ist eher Skandalpasta-Combinazione mit viel Pfeffer im Glutofen überbacken. Für die EM aber hat er Zurückhaltung versprochen und will lediglich Passanten, die ihn rassistisch beleidigen umgehend auf offener Straße umbringen. Menschlich absolut verständlich, aber – selbst wenn er damit bis zum Viertelfinale wartet – wohl nicht mit dem dann geltenden meuchelfreundlichen ukrainischen Strafrecht zu vereinbaren. Was seine Ausraster auf dem Feld anbelangt, üben Gerüchten zufolge kroatische Verteidiger bereits Sätze wie „Verehrter Herr Balotelli, ihr Irokesenschnitt scheint mir heute etwas weniger schneidig zu sitzen“ in Verbindung mit Ausweichbewegungen gegenüber heranfliegender Ellenbogen Richtung Augapfel.

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