Irland – Kroatien (Vorbericht)

Das Spiel, von dem mein Bruder sagt, dass er darauf nun wirklich keine Lust hat. Die Gruppe C könnte man auch „Anti-Weltmeister Kampfgruppe“ nennen, denn alle dort vertretenen Gegner der Spanier wissen, wo man zu- oder hintreten muss, um spielerischen Glanz zu verhindern. Laufen, schwitzen, ackern, hecheln und ums Überleben kämpfen lautet das Motto für beide Mannschaften dieser Partie. Wer das sehen will, kann mir auch zugucken, wie ich zweimal pro Woche meine 14 Kilometer auf dem Heimtrainer zurücklege.

Aber den Iren gilt natürlich meine volle Sympathie. Weil ihre Fans so toll sind, stets gute Stimmung mitbringen, aber keinen Krawall veranstalten. Und weil sie wohl die einzige Nationalität sind, die ihre Volksmusik ungestraft auf öffentlichen Plätzen aufführen darf, ohne dass sich jemand beschwert. Ich finde, mit den Dropkick Murphys oder Flogging Molly als Beschallung könnte man prima eine Meute bilden, die mit guter Laune und zupackendem Wesen vor dem zweiten Viertelfinale in Kiew kurzerhand mal aushilft, die Diktatur zu beseitigen und feucht fröhlich den Umsturz zu feiern. Ob man bis dahin kommt, ist aber leider fraglich.

Eine eckige, kantige Elf hat Giovanni Trapattoni geformt. Unbequem zu spielen mit den üblichen irisch-britischen Grundtugenden: nie aufgeben, immer weiter, Rasen umwühlen, Gegner zermürben und vielleicht auch mal einen Whiskey schon vor Mittag. Im Tor steht seit nunmehr 16 Jahren Shay Given, ein vortrefflicher Kämpfer vor dem Herrn, der ohne Zucken Kopf, Hoden und Kniescheibe hochhält, wenn der Ball herangerauscht kommt. In Abwehr und Mittelfeld kennt und zerreißt man sich schon seit Jahren, nur vorne fehlt halt der Künstler, der in die Nahtstelle spielt statt sie einreißen zu wollen bzw. der einknipst statt draufbolzt. Stürmer Robbie Keane bleibt gefährlich wie eine Zündschnur an einer Dynamitstange, explodiert aber auch gerne mal frühzeitig.

Die Kroaten sind dafür bekannt, kampfwillig bis zum Kollaps zu sein und uns Deutschen bei Turnieren zu ärgern. Wie gut, dass sie bei dieser EM erst diese Vorrundengruppe und das Viertelfinale überstehen müssen, ehe sie auf die DFB-Elf treffen können. Nicht dabei sein wird Ivica Olic, was ich persönlich sehr bedauere, denn der ist mein absoluter Lieblingskicker vom Balkan. Ich habe dieses Spiel entwickelt, wo ich mir die lustigsten Doppelnamen für den quirligen Stürmer ausdenke. Voraussetzung dabei: der Namensteil -olic  muss enthalten sein. Mein Liebling bisher: Ivica Olic-Bolic und Ivica Olic-Knolic.

Ansonsten sei noch Dreh- und Angelpunkt Luka Modric (Tottenham Hotspurs) erwähnt, auf den das Spiel der Rot-Weißen stellenweise zu sehr ausgerichtet ist. Ich erinnere mich noch, dass Jürgen Klopp den bei der letzten EM schon als neuen Fußballmessias anhosiannate. Mal sehen, was er diesmal bringt. Damals war es jedenfalls eher Regionalmesse als Bergpredigt.

Schnell noch die restlichen bekannten Bundesliganamen abgehakt: Danijel Pranjic (Bayern), Josip Simunic (ex-Hertha BSC und ex-Hoffenheim), Ivan Rakitic (ex-Schalke), Ivan Perisic (Dortmund), Mario Mandzukic (Wolfsburg). Simunic soll sich übrigens laut kicker mittlerweile zum Sicherheitsrisiko bei Dinamo Zagreb weiterentwickelt haben. Schön, wenn man nach Hoffenheim noch eine Steigerung erreichen kann.

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