Irland – Kroatien 1:3 (Nachbericht)

Ich dachte eigentlich, dass das Kleeblatt Glück bringt. Allerdings nicht heute Abend, zumindest nicht das irische namens Shamrock. Fraglos ein verdienter Sieg der Kroaten, die sehr gefällig aufgetreten sind und denen mein Verstand Applaus spendet. Das Herz hätte aber den Iren zumindest einen Punkt gegönnt. Oder wenigstens den Anschlusstreffer, damit sie in der Folge nochmal richtig Dampf hätten machen können.

Bereits nach drei Minuten das 0:1 durch Mandzukic. Dessen Kniefall vor dem Kopfball interpretiere ich einfach mal so, dass er den Fußballgott kurz angefleht hat,  er möge ihn aus der Knechtschaft Magaths befreien und in ein gelobtes zahlungskräftiges Land seiner Wahl entlassen. Manchmal ist der Fußballgott gnädig. Felix hat bestimmt noch heute Nacht auf eBay eine erste Auktion gestartet und drückte während der 90 Minuten rastlos die F5-Taste.

Der Ausgleich birgt dann eine Geschichte, die meine Sympathie für die Irish Fighters begründet. Nach einer Standardsituation köpft Verteidiger Sean St. Ledger zum Ausgleich. Der Mann hat noch nie während seiner Karriere in der ersten Liga gespielt und ist nun der erste Torschütze Irlands bei einem Turnier seit 24 Jahren. Freunde, so was rührt mich. Das geht mir nah. In dem Moment hätte der Schiri gerne das Spiel abpfeifen können. Und dieser Trantröte auf den Zuschauerrängen, die meint, es wäre ungeheuer lustig, während hakeliger Strafraumsituationen eine täuschend echt klingende Pfeife zu trillern, wünsche ich eine original irische Dudelsackpfeife quer in den Rachen.

Kurz vorm Pausenpfiff: Ein unglücklich kontrollierter Pass von Ward hebt das Abseits auf, Jelavic springt dazwischen und markiert das 1:2. Abseits ist schon blöd, aber unglücklich aufgehobenes Abseits hat schon die Qualität höheren Nonsenses. Wie entscheidet ein Schiedsrichter sowas? Ich hätte nur auf die deutliche Abseitsposition des kroatischen Stürmers geachtet und abgewinkt. Schiris denken zu viel. Zumindest in dem Moment und aus meiner Sicht als Fan der Iren.

Es sollte nach wahnwitziger werden. 48. Minute: Madzukic köpft Richtung Pfosten, Torwart Given hechtet hin und bekommt den abprallenden Ball an den Kopf – das 1:3 und damit die Vorentscheidung. Ich habe ja geschrieben, dass der irische Keeper alles hinhält, wenn der Ball ihm entgegenkommt. Den Kopf hätte er sich diesmal verkneifen sollen. Unglücklich.

Die restlichen Betrachtungen: klarer Elfmeter in der 63. Minute, der nicht gegeben wird. Gute Chancen für die Karoträger, in der Nachspielzeit auch für Trappatonis Mannen. Modedesigner schauen hoffentlich keine EM-Spiele, sonst hätte sie der kroatische Trainer Slaven Bilic mit seiner wagemutigen Kombination aus Anzug, Krawatte und Arbeitermütze in die Bewusstlosigkeit gestürzt. Irland dürfte wohl nicht weit kommen, Kroatien wird sich mit Italien und Spanien einen heißen Dreikampf liefern. Thanks for the fight, boys. Better luck next time.

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