Deutschland – Portugal 1:0 (Nachbericht)

Sieg dank Mario Gomez! Ich wusste, der Junge mit dem exquisit geformten Haarschopf schafft das. Okay, wem mache ich etwas vor: ich gehöre zu seinen größten Kritikern, hatte gar kein gutes Gefühl, als er statt Klose auflief. Selbst die Chance in der 2. Minute stimmte mich nicht milder. Auf meinem Notizblock für diesen Nachbericht hatte ich den Satz „Eine Handvoll Minuten Hoffnung für Gomez“ geschrieben, sogar mehrfach unterstrichen.  Aber in der 72. Minute hat er uns alle erlöst. Stramme Hater mögen jetzt anführen, dass der Flankenball abgefälscht war und sonst wohl nie so formschön auf dem gereckten Heldenhaupt gelandet wäre. Wurst, egal, Hauptsache reingemacht.

Zurückgespult  zum Beginn dieser – das muss man leider sagen – spielerisch größtenteils langweiligsten Partie dieser EM bisher: Ich habe bei der Spielervorstellung doch hingesehen, als Cristiano gepost hat. Es ist fast zum Lachen: alle gucken grimmig entschlossen, nur unser Superstar grinst schleimig-arrogant in die Kamera. Gut, dass ich als Abendessen nur Salat hatte.

Behutsames Spiel in den folgenden Minuten. Highlights waren fliegende Papierkugeln (die haben auch schon mal Spiele entschieden, fragt die Bremer und Hamburger), ein zum Knochenbrechen harter Akzent des Stadionsprechers und ein krachendes Foul von Postiga an Neuer. Ansonsten viel Ballbesitz für die Deutschen, aber wenig Spaß. Zwischen DEN Festspielen rundum den Strafraum und DEM Festspielen rundum den Strafraum liegt nur ein Buchstabe, aber leider auch die ganze Bandbreite des attraktiven Fußballs.

45. Minute: Pepe, der alte portugiesische Strafraumhobler, steht frei im Sechzehner und schlenzt den Ball an die Latte. Kein Tor. Gottlob. Der übrigens kommentiert und dessen „bwah“ ich gerne als Halbzeitfazit übernehme. „Hansi, hol die Sturmhaubitze raus!“, dröhnt es durch den Raum. Hilft auch nicht, um die Stimmung zu heben.

Es wird nicht besser nach dem Wiederanpfiff. Nach vorne nichts, hinten brennt allerdings auch nichts an. Ich hätte nie geglaubt, dass die Abwehr in diesem Spiel der stärkste Teil der Mannschaft sein würde. Aber Respekt vor Boateng, Hummels, Badstuber und all den anderen aushelfenden Beinen und Köpfen. Portugal versucht es, aber anders als die Dänen am frühen Abend kommt nichts durch. Neuer ist cool wie drei Tonnen Packeis.

Nach dem Treffer allgemeine Entspannung in der Sitzrunde. Jetzt muss es doch Räume geben. Klose kommt für Gomez. Portugal kommt leider auch, drängt, erarbeitet sich Ecke um Ecke. Der gestählte Schritt von Manuel Neuer rettet vor Varela. Nani und Alves mit weiteren Chancen. Dann endlich Schlusspfiff. Geschafft. Sieg. Irgendwie. Darauf kommt’s an.

Okay, das war jetzt nicht die ganz große Nummer der Deutschen. Spielerisch erinnerte das, was die Jungs boten,  an die WM 2002. Da lief nach vorne auch wenig, aber hinten stand die Null und vorne hing einer (damals Ballack) mit Zuverlässigkeit den einen entscheidenden Treffer rein. Damals langte das, um bis ins Finale vorzustoßen. Gegen die Niederlande wird es ein ganz anderes Spiel. Zum Schluss noch einen Satz, den ich unter anderen Umständen wohl jetzt an dieser Stelle geschrieben hätte und den ich wegen seiner Allgemeingültigkeit auch Fußball-Laien empfehlen kann: „Auf dem Niveau reicht das nicht“. Dank Gomez doch. Danke, Mario!

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4 Gedanken zu “Deutschland – Portugal 1:0 (Nachbericht)

  1. Das war mal wieder extrem clever von Jogi: Gomez darf von Beginn an spielen und versemmelt erst mal ein paar Chancen. Irgendwann merkt er dann, daß Klose an der Seitenlinie bereitsteht und aus lauter Angst, wieder als Chancentod auf die Bank geschickt zu werden, macht er mal schnell ein Tor – wenn das tatsächlich der gewollte Motivationstrick war, dann Hut ab. Aber ob das nochmal klappt…?

    • Allesch Taktik. Hoffe ich ehrlich gesagt auch. Aber die Chancen, die die Portugiesen am Ende hatten, passen nicht so recht in diese Annahme. Es sei denn, Jogi hätte CR7 noch zum Weinen bringen wollen. Dann…

  2. Warum sollte Jogi den zuletzt angeschlagenen Klose anstatt das fitten Gomez von Anfang an spielen lassen? Außerdem war das deutsche Spiel im Prinzip wohl eher auf einen Strafraumstürmer vom Typ Gomez ausgelegt. Wenn im ganzen Spiel gerade mal 3 Bälle/Flanken auch nur annähernd ankommen, kann man das Mario nicht vorwerfen. Ich versteh auch nicht ganz, warem er immer als Chancentod verschriehen wird. Welcher Spieler hat denn sowohl in der Nationalmannschaft, als auch im Verein so eiine hohe Trefferquote?
    War das eigentlich nur mein Eindruck, oder hat sich der Schweini auffällig unauffällig verhalten?

    • Ach, ich glaube, beim Mario denken alle noch an seine Auftritte bei der EM 2008 und der WM 2010. Und die waren schlimm! Sein Spiel ist nun mal, dass er eher im Strafraum auf Bälle wartet, statt selbst aktiv Bälle zu erobern oder zu verteilen. Wohingegen Klose überall auf dem Platz zu finden ist, was seine Ortung für den Gegner erheblich schwieriger macht. Bei Gomez weiß man, was man hat – einen Lauerer im Strafraum, der aber auch in Schönheit verhungern kann, weil er keine Bälle bekommt.

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