Polen – Griechenland (Vorbericht)

Schluss mit dem Vorgeplänkel. Endlich wird eingestiegen in medias adductores. Die Europameisterschaft beginnt. Mit Pomp, Gloria und … Polen gegen Griechenland. Zugegeben, rein vom Glamourfaktor her betrachtet ist das sicherlich kein Spiel, bei dem die BUNTE-Redaktion wegen akuter Vorfreude bereits mehrere Tage lang geschlossen an Verstopfung leidet. Beziehungsweise Frauke Ludowig hibbelig auf der Tribüne mitfiebert und dafür ihr Projekt „exclusiv spezial: Hurra! 10 Jahre Fremdvögelei Claudia Strunz – Stefan Effenberg“ oder den Artikel für die Klatsch & Tratsch-Fachzeitschrift Football Society Insider namens „18 Jahre Olaf Bodden-Sina & Thomas Doll-Liebeskuddelmuddel“ aufschiebt. Eher erwartet man da schon, dass Lothar Matthäus vor Spielbeginn geehrt wird. Wegen seiner Verdienste um die Fitness der gesamtosteuropäischen Jugend durch gezielte Fernhaltung von und persönliche Beschäftigung mit das Training störenden jungen Ludern. Worauf Prinz Frédéric von Anhalt im Anschluss live vor der Kamera die komplette Riege der zurückgebliebenen Handtäschchenträgerinnen adoptiert.

Doch wer so denkt, liegt falsch. Denn in diesem Eröffnungsspiel steckt Klasse. Polen zum Beispiel genießt nicht nur den Heimvorteil als Gastgeber, sondern kann zusätzlich deutsche Meister in allen Teilen aufbieten. Lukasz Piszczek (Abwehr), Jakub „Kuba“ Blaszczykowski (Mittelfeld) und Robert Lewandowski (Sturm). Wer also freilaufende Dortmunder während des Turniers auf dem Platz und nicht nur eingepfercht auf der deutschen Ersatzbank sehen will, sollte ohne Frage einen Blick riskieren. Weitere dem Bundesligazuschauer bekannte Gesichter sind Artur Sobiech (Hannover 96) und Eugen Polanski (Mainz 05). Aufsteiger Düsseldorf stellt Adam Matuschyk.

Das muss sich erst noch einpolen“ könnte einer der Slogans von Trainer Franciszek Smuda lauten. Denn er setzt zwecks Qualitätsanschub auf Spieler mit polnischen Wurzeln im Ausland. An sich keine schlechte Idee, schließlich sind wir damit sehr gut gefahren. Doch wo bei unsereins Klose und Podolski für Furore sorgen, entlocken auf polnischer Seite Sebastian Boenisch, Eugen Polanski oder Damien Perquis eher Schulterzucken beim Gegner. Boenisch spielte übrigens letzte Saison für Werder Bremen. Ganze 124 Minuten lang. Deshalb habe ich ihn im Absatz oben nicht erwähnt. Mit einem echten Zitat von Smuda kann ich aber doch noch aufwarten: „Ich habe kaum Weltklasseleute. Aber ich kann auch nicht viele überdurchschnittliche Spieler sehen„. Das schafft sicherlich gute Stimmung in der Truppe! Vielleicht ein Grund, weshalb Artur Boruc, Slawomir Peszko und Michal Zewlakow allesamt lieber zünftige Alkohol-Eskapaden der Turnierteilnahme vorzogen.

Kleines Quiz, mit dem man selbsternannte  Experten prima ärgern kann. Einfach folgende Frage stellen: „Wer schoss das bisher einzige Tor der Polen während einer Europameisterschaft? A) Tomasz Szyszlawiak, B) Woyzeck Grzgorschwaszki, C) Dariusz Brjsklawskny oder D) Pawel Szczeknrbrc?“ Danach Zunge entknoten, abwarten und mit enttäuschter Stimme die Antwort verraten: Roger Guerreiro, ein kurz vor dem Turnier eingebürgerter Brasilianer erzielte es 2008 beim 1:1 gegen Österreich.

Griechenland. Allein bei dem Begriff kichert der BILD-Redakteur der mittlerweile wahrscheinlich zur Wackelkopffigur umfunktionierten Henri Nannen-Trophäe ins Gesicht. Nein, hier wird es keine Pleite-Witze oder andere lieb gemeinte Hetzereien zu lesen geben, ich beschränke mich rein aufs Sportliche. König Otto ist nicht mehr, 2004 verdammt lange her, die Qualifikation gelang souverän als Gruppenerster vor Kroatien. Kernstück ist und bleibt die solide Abwehr, der Sturm läuft eher unter der Kategorie „Haben wir auch, aber wozu eigentlich?“.

Stürmerstar Georgios Samara von Celtic Glasgow etwa ist als Modeltyp exklusiv eher griechischen und schottischen Hausfrauen bekannt. Würde man Bundesligaprofis ein Foto von ihm zeigen, wäre die wahrscheinlichste Antwort ein „Kenn ich nicht. Hat mir noch keinen ausgegeben.“ Ganz anders, wenn der Name Kyriakos Papadopoulos fällt. „Papa? Schalkes griechisches Bein? Oh ja, der hat mir schon mal eine mitgegeben. Tat noch Tage lang weh wie Sau“. Einen Ruf wie Donnerhall hat er, der junge Grieche. Ich mag den Burschen und natürlich drücke ich ihm die Daumen, dass er ein gutes Turnier spielt, ist doch Ehrensache. Aber dass er als Verteidiger einer der Stars der EM wird, möchte ich doch anzweifeln. Klar braucht man die unermüdlichen Kampfschweine in der Mannschaft, aber sie sind es leider nicht, die am Ende ausgezeichnet werden. Das ist so ein bisschen, als würde man die Vorzüge seiner Freundin mit dem Satz: „Sie hat beim Sex eine tolle Atmung“ preisen wollen.

Von der Bundesliga her bekannt, aber ohne großen Ruf in der letzten Saison geblieben sind Sokratis (Werder Bremen) und Konstantinos Fortounis (Kaiserslautern). Theofanis Gekas schreckt bei Samsunspor in der Türkei nur noch die ganz orientierungslosen Abwehrreihen auf. Im Mittelfeld 2004 schon dabei und auch diesmal auf dem Platz: die alten Hau-um-degen Georgios Karagounis und Konstantinos Katsouranis. Schnelligkeit dürfte also nicht zu den tragenden Elementen des Spielaufbaus gehören. Kurz gesagt: die Griechen haben außer dem zupackenden Tritt und Kopf von Kyriakos Papadopoulos recht wenig zu bieten. In der Qualifikation überzeugten neben ihm immerhin zwei weitere Papas: Avraam Papadopoulos (Olympiakos Piräus) und Sokratis Papastathopulos. Ja, das ist der oben erwähnte Sokratis aus Bremen. Kein Wunder, dass der seinen Namen abgekürzt hat. Das ständige „Papa, nimm du ihn“-Geheule in der Abwehr würde mich auch irritieren. Weil während der EM-Endrunde traditionell wenig Tore fallen und in Eröffnungsspielen noch mal eine Spur weniger, tippe ich auf ein 1:0 für Polen nach langem Anlaufen und Schnaufen.

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