Das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch – Tag 16

SPANIEN – ITALIEN 4:2 n.E. (0:0)

Vorbericht

– Der Urs Meier hat gestern im ZDF-Panel bereits erklären können, weshalb die Portugiesen, Kroaten, Niederländer ausgeschieden sind und die Spanier ihnen heute folgen werden: Weil alle diese Mannschaften im letzten Vorrundenspiel ihre B-Elf aufs Feld geschickt haben und die A-Elf in der Zeit beim Plantschen im Swimmingpool das Fußballspielen verlernt hat. Meier nennt das „fehlender Spielrhythmus“. Sowas kann aber auch verdammt schnell passieren: gestern noch schießt du die Dinger blind rein, tags darauf guckst du runter auf dieses seltsame runde Ding auf dem Rasen und fragst dich, von welchem deiner Extremitäten das jetzt wohl abgefallen sein muss. Diese Transformation kenne ich noch aus meiner aktiven Zeit. Wir nannten das damals aber „billige Ausrede“.

– Mein Herz und mein 210,70 Euro schwerer Geldbeutel in der Brusttasche knapp darüber schlägt natürlich für die Spanier, aber wenn die Italiener so furios aufspielen wie unsere Elf und die Russen, könnte ich mich auch mit denen zähneknirschend im Halbfinale arrangieren. Aber wir wissen doch alle, wie es laufen wird: Luca Toni macht aktiv oder passiv (Elfmeter) das 0:1, die Spanier kommen mit dem Rückstand nicht zurecht, Buffon holt hinten ein, zwei Unhaltbare raus, das Ergebnis hält bis zum Abpfiff während auf der iberischen Halbinsel ab 22:35 Uhr MEZ zum zweiten Mal in vier Tagen die Deiche brechen.

– Italien spielt ohne Andrea Pirlo – den Mann, der sich meinen Gesichtsausdruck nach dem WM-Sieg seines Landes ins Antlitz hat meißeln lassen. Auch nicht dabei: Gennaro Gattuso, von dem ich vor zwei Jahren erfahren habe, dass er sich die Haare von einem Mannschaftskameraden beim AC Mailand schneiden lässt. Weshalb er dann wohl auch nicht das Angebot vom Wurst-Uli angenommen hat, da muss man Prioritäten setzen.

– Spanien hat Italien – abgesehen von den Olympischen Spielen 1920 – noch nie bei einem großen Turnier geschlagen, wie ich soeben liebevoll aus dem Vorbericht von euro2008.uefa.com herauskopiert habe. Wobei Olympische Spiele anerkanntermaßen kein großes Turnier sind, denn sonst hätten wir die als Turniermannschaft doch mal gewonnen. Folglich können die Spanier heute Abend Geschichte schreiben. Meine Empfehlung: macht’s doch einfach.

Nachbericht

– Die ersten 45 Minuten waren ein Fest! Und zwar für Liebhaber von ineffektiven spanischen Kurzpass-Staffetten und italienischen Formationsläufen im Abstand von 2 Metern um den Ball. In der Halbzeitpause hatte ich mal wieder diesen Gedanken, dass man den Fortgang mancher Begegnungen einfach mal zum Call-In-Voting freigeben sollte:

Hey du! Auch gelangweilt? Lust auf Action, Fun’n’Party? Dann sims den geilen UEFA-Michel an und bestimme, wie es weitergeht! Wähle die

001 für „Alle Mann an den Elfmeterpunkt“ (CutTheCrap-Mix)
002 für „Nu lasst doch auch mal die Spanier gewinnen“ (Madres por Espana)
003 für „Zwei Italiener weg, damit Platz da ist“ (Olé olé, Mafia in der Umkleidé)
004 für „Holt Holland zurück“ (DJ Käskopp back in da house) oder
005 für „Rrruhe! Weiterrrrumpeln“ (LORD RASENSCHMERRRZ)

– In der zweiten Hälfte war das Ganze ein bisschen ansehnlicher, aber die Spanier wurden doch eher von der italienischen Mauer zermürbt denn umgekehrt. Dass sie allerdings nach der Aufzählung der letzten Pleiten durch Faktenmaschine Béla Réthy überhaupt noch zum Elfmeterschießen angetreten sind, verlangt einem Respekt ab.

– Mein EM-Held Daniel Güiza hat zwar vom Punkt verschossen, am Ende ist dennoch die bessere, weil deutlich bemühtere Mannschaft weitergekommen. Die Italiener konnten demgegenüber rätselhafterweise erneut keine Sympathiepunkte bei mir sammeln. Eigentlich tut es mir nur leid für Gianluigi Buffon, weil der immer nett ist und sogar den mürrischen Fandel angelacht hat. Obwohl: der hat auch erschreckend wenige Elfmeter für Spanien gepfiffen.

– Nach den letzten Begegnungen darf ich festhalten: wir sind schon mal Vierteleuropameister. Zumindestens bis Mittwoch. Bis dahin.

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2 Gedanken zu “Das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch – Tag 16

  1. Nach 60 Minuten war ich eigentlich so weit den Italienern den Pokal herschenken zu wollen, wenn sie im Gegenzug nur aufhören würden zu spielen (oder das was sie dafür hielten) und ich mir nie, nie wieder dieses grottige, destruktive Catenaccio ansehen muß. Schlechter als .it und .es zusammen war eigentlich nur noch der deutsche Schieri :-/

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