Das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch – Tag 13

PORTUGAL – DEUTSCHLAND 2:3

Vorbericht

– Heute ist der große Tag des Hans-Dieter Flick. Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass unser Hansi mal den Versuch unternahm, von der Presse zumindest Hans genannt zu werden. Aber die rothaarige Lierhaus-Maus ließ sich einfach nicht von der Verniedlichungsform abbringen. Also zog sich unser aller Fußball-Assi zurück, verkündete der Presse, dass man ihn weiter wie einen Wellensittich rufen dürfe und sann auf Rache. Hatte er bisher doch noch nichts in der Hand, um die Frau endgültig zurechtzuweisen. Je einmal pro Halbzeitpause wenig Aufregendes wie „Wir müssen hinten mehr an den Mann, für Fritz kommt deshalb jetzt Kuranyi“ in die Mikros zu blubbern, reicht halt nicht als selbstbewusstseinsbildende Maßnahme. Aber heute wird der Flick nach dem Sieg über die Portugiesen im Supermann-Dress mit prall gefülltem Suspensorium einlaufen, die Lierhaus kingkongmäßig mit einer Hand hochheben und „HINFORT MIT DIR UND NENN MICH NIE WIEDER HANSI, WEIB!!!!“ in den Baseler Nachthimmel schreien.

– Die Urteilsbegründung für die Sperre von Jogi ist natürlich juristischer Firlefanz und in allen Belangen anfechtbar. Da wird unser geliebter Trainer als „fehlbar“ bezeichnet oder über die Bestücktheit des Schiedsrichters fabuliert – beides mindestens Beleidigungen, vielleicht sogar üble Nachrede oder Verleumdung. Und in der Tatsache, dass sich am Ende beide Trainer die Hand reichen, sieht man den Beweis für eine vorige Auseinandersetzung (Freundschaftsgesten sind der UEFA halt unbekannt). Hätten sie sich auf dem Weg auf die Tribüne mit Miniatur-Äxten beschmissen, hätte man die selbe Beweisführung daraus stricken können. Eine juristische Win-Win-Situation also.

– Wenn nicht heute Abend ein Satz in der Richtung von „Heute beginnt ein neues Spiel/Turnier/Team“ fällt, will ich Hansi heißen. Denn ab heute wird ausgeschieden – unabhängig von Nationalität, Spielkultur oder zuvor erreichter Meriten. Und in dem Bereich können wir ganz befreit aufspielen (noch so eine Phrase, die einfach kommen muss). Weil so vom stuhlumhauend doll haben wir die letzten Partien nun wirklich nicht gespielt. Na und? Gerade deshalb werden die Portugiesen weinen, wenn wir sie im Elfmeterschießen nach Hause schicken wie weiland die Argentinier bei der WM.

– Ich spar mir diesmal die Tipps, schließlich habe ich a) mit meiner letzten Empfehlung, eigene Freistöße zu verhindern, danebengelegen und b) soll der Hans selbst auf die Lösung kommen. Ich deute nur einzelne Stichworte aus der Heribert-Faßbender-Rezeptschatulle an wie „Gegner nicht ins Spiel kommen lassen“, „dazwischengehen“, „über den Kampf zum Spiel finden“, „Elfmeter üben“ und „Cristiano Ronaldo umhauen, wo immer man ihn trifft“. Okay, letzteres stammt aus meiner persönlichen Ratschlagsliste.

Nachbericht

– WUNDERBAR! SENSATIONELL! ÜBERRAGEND! Ich alter Schwarzseher hatte maximal auf ein Weiterkommen im Elfmeterschießen gehofft, aber Super-Hans hat den ultimativen Best of WM06-Mix aufs Feld geschickt und die Portugiesen aus dem Turnier gekegelt.

– Dabei war der Anfang so traurig: das Bild von Guantanamo-Jogi in der VIP-Lounge hat mir fast das Herz zerrissen. Ich habe schon an der Glühbirne geschraubt, die ich für den armen Kerl in seiner abgedunkelten Zelle spenden wollte. So kann man doch keinen Trainer behandeln!

– Beim 0:1 wurde das Siegtor gegen Polen bei der WM neu aufgeführt – Poldi odonkort wieselflink eine Hereingabe, die Schweini wunderbar hineinneuvillt. Weltklasse, den Portugiesen fielen fast die Augen raus.

– 0:2: Klose trifft mit gekonnter Schulter-Kopf-Kombination. Ein Tor, das zum Ausdruck brachte: „Hey, ihr Portugiesen mögt ja vorne am Boden Giganten sein, aber hinten in der Luft seid ihr so groß wie der durchschnittliche Südkoreaner mit Hut“.

– Der Anschlusstreffer zum 1:2? Natürlich bekannt aus der Klinsmann’schen „Rankommen lassen und dann noch mehr ärgern“-Taktikschule. Ich wollte gerade den Lehmann lobpreisen, da kickt der fiese Nuno Gomes den noch rein.

– Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Andi ist der Ersatz-Hans in der Halbzeitpause. Wieder eine Kompetenzfrage abgehakt. In den ersten 15 Minuten kamen die Portugiesen, aber die Abwehr steht noch – Fußballgottesacker, der steinsichere Bart-Metz und der lässige Lehmann.

– 1:3: Ballack mit dem Kopf, wieder ist bei den Ronaldo-Jüngern hinten alles offen.
Die Vorarbeit unseres Kapitäns war übrigens kein Schubsen, sondern eine regulär körperbetonte Platzbeschaffungsmaßnahme, so ein guter Kopfstoß braucht auf internationalem Niveau halt seinen Raum.

– Mit dem 2:3 hatte ich nicht mehr gerechnet. Die Minuten zuvor hatten die Zauberer aus dem Süden, die Pass-Strategen, die Abwehrverwirrer nur noch lustlos Fernschüsse in den Himmel gebolzt. Aber es gehört halt dazu, den Gegner nochmal rankommen zu lassen, um ihm nach Abpfiff eine noch längere Nase zu zeigen.

– Jungs, ihr wart alle großartig, ich ziehe meinen Hut vor euch. So können wir Europameister werden. Darüber hinaus ist dank eurer famosen Leistung der Song der White Stripes „Seven Nation Army“ nun endgültig auch auf meinen Stimmbändern angekommen. Denn erstens passt er heute besonders (schließlich sind nun nur noch 7 Mannschaften im Turnier) und zweitens kann man wunderbar „Heul, Cristiaaanooo Ronaaaldoooo“ darauf singen.

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6 Gedanken zu “Das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch – Tag 13

  1. Und Herr Lehmann, werter Herr More, hat bereits die Strümpfe voll mit Zetteln, was die Waden dermaßen aufquellen lässt, dass er allein deshalb mindestens zwei Elfer halten wird.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  2. Nicht, wenn es gar nicht erst zum Elfmeterschießen kommt.
    Und Fallen ist bei der Strafstoßentschärfung bekanntlich des Tormanns erste Pflicht, Standfestigkeit wird so gut wie nie belohnt.

  3. Das sagen Sie. Und ich erinnere an 74. Hätte der deutsche Torwächter Maier damals nicht ein komplettes Kofferradio inklusive Notstromaggregat im Ohr getragen, wäre er nämlich stehen geblieben und nicht umgefallen beim Elfmeter von Herrn Neeskens.

  4. Da war ich drei und hätte nie gedacht, dass man so fiese Tore machen darf. Heute gibt es mit Sicherheit eine UEFA-Regel gegen derartig unwürdiges Tun.
    Mindeststrafe 2 Spiele Sperre in der Guantanamo-Lounge. Zusammen mit Gerhard Mayer-Vorfelder und ohne Alkohol.

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