Das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch – Tag 11

NIEDERLANDE – RUMÄNIEN 2:0
FRANKREICH – ITALIEN 0:2

Vorbericht

– Entspannung und Mundabwischen ist für uns Deutsche angesagt. Was gibt es da Schöneres, als aus der Ferne zuzuschauen, wie sich heute Abend mindestens eine große Fußballnation (im witzigsten Fall sogar zwei) in die große Depression stürzt? Es ist aber auch eine verzwickte Situation: gewinnen die Rumänen ganz zufällig in der letzten Spielminute einer gähnigen Partie gegen die Holländer mit 1:0, können sich die Italiener und Franzosen im Parallelspiel die Beine gegenseitig blau treten, sie wären beide ausgeschieden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn der Edamer-Express diesmal nur sehr langsam rollen sollte.

– Die Italiener haben sofort Maßnahmen ergriffen: sie wittern ein abgekartetes Spiel und jammern. Soweit nichts Neues. Doch der sympathisch größenwahnsinnige Ministerpräsident Silvio Berlusconi will es nicht dabei belassen. Er kündigt für den Fall einer Niederlage der Holländer einen 6-Punkte-Plan an:

  1. Italienische Marine in die Nordsee schicken und die Niederlande vom europäischen Festland trennen
  2. Transport des Staatsgebildes ins Adriatische Meer, dort vor der italienischen Küste treiben lassen
  3. Die drei Verankerungsschrauben in den West- und Ostalpen lösen, die den italienischen Stiefel festhalten
  4. Mit einer konzertierten Ausholbewegung den orangenen Feind ins Schwarze Meer kicken
  5. Schrauben wieder festdrehen (von Berlusconi handschriftlich eingefügter Hinweis: nicht vergessen!)
  6. Feiern

Die EU zeigt sich empört, ließ allerdings auf inoffiziellem Wege anfragen, ob man auf der Fahrt nicht auch noch Irland mitnehmen könnte.

– Frankreich hingegen vertraut auf die Astrologiekenntnisse seines Trainers Raymond Domenech, der bereits vor dem Spiel gegen die Niederlande sicher war, dass die Sterne günstig stehen. Waren halt dummerweise die Sterne des kosmischen Pechs. Nach der Lektüre seines heutigen Horoskops in der Fachzeitschrift Frau mit Herz kam er zu dem Entschluss, wegen der Dominanz der Sternbilder Chemischer Ofen und Inder im Aszendenten Fische nur mit indischen Backfischen auflaufen zu wollen. Die UEFA berät zur Stunde noch über die Rechtmäßigkeit dieser Startformation, tendiert aber zur Genehmigung, damit Zitat: „der wirre alte Mann endlich nach Hause geht„.

Nachbericht

– Das Schöne an so einer Europameisterschaft ist ja, dass ganz neue Verben erschaffen werden. Zwei Beispiele aus der Begegnung Frankreich – Italien: Luca Toni gomezt in der 4. Minute. Franck Ribéry freit sich in der 8. Minute aus dem Turnier.

– Als sie den armen Kerl vom Feld gekarrt haben, war mir Frankreich ziemlich egal geworden. So egal, dass nicht mal das Ausscheiden der Equipe Tricolore mich berührt hat, denn ohne ihren Mann mit der Nummer 22 hätten die eh nix mehr gerissen. Bin ich deshalb ein schlechter Mensch?

– Der Luca Toni gomezt nicht nur, er lucatoniet auch. Lucatonien bedeutet, dass man im Strafraum nach einem hohen Anspiel folgende Gedankengänge durcharbeitet:

Hui, da kommt eine schöne Flanke
Hab ich den Ball geil runtergeholt oder nicht? Den hab ich sowas von geil runtergeholt.
So und was jetzt? Wo ist denn der Franzos? Da war doch eben noch ein Franzos hinter mir!
Komm Franzos, stoß mich, schubs mich. Jetzt berühr mich doch. Ich bin frei vorm Tor!
Ja, wo bleibt er denn? Soll ich jetzt schießen? Das ist doch unsicher, am Ende geht er vorbei!
Moment! Ich spür da was! AAAAAAAHHHHHH!!!
Der hat mir eine glasklare Torchance vereitelt! Ein eindeutiger Elfmeter, Herr Schiedsrichter!
Pirlo, jetzt mach ihn gefälligst rein

– Ein Extralob an die Holländer, die sportlich fair gegen Rumänen ihre Tore erzielt haben. Wenn sich das nicht mal in einem Halbfinale gegen die Italiener rächt. Und Toni wieder so drauf ist, dass er die Kisten blind macht.

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