Das unfassbar kroatische EM-Tagebuch – Tag 7

ITALIEN – RUMÄNIEN 1:1

Vorbericht

– Bei den Italienern hat man eine schonungslose Analyse der Niederlage im Auftaktspiel betrieben. Das Ergebnis:

  1. Kommunikationsfehler mit dem örtlichen Wettpaten, der schwört, zur Einstimmung auf das Spiel den Satz „Wir spielen heute gegen die Niederlande“ und nicht „Wir spielen heute auf Niederlage“ fallen gelassen zu haben. Niederlage und Niederlande liegen akustisch aber auch verdammt dicht beieinander, da kann sowas schon mal vorkommen. Lässt die Weltmeister doch nur menschlich erscheinen.
  2. Das Tor zum 1:0 kam nur zustande, weil ein Italiener hinter der Torlinie lag, ohne sich vorher abzumelden – was zur Folge hatte, dass er das Abseits aufhob. Trainer Donadoni ordnet deshalb für seine Spieler während der Partie gegen Rumänien ein absolutes Ausgehverbot an. Wer sich dennoch hinter dem Linienaus ablegen will, muss vorher nachweisen, dass er trotz brüllender Schmerzen in den Extremitäten noch akzentfrei und deutlich „Ich melde mich hiermit ordnungsgemäß vom Spielbetrieb ab“ in der Landessprache des Schiedsrichters ausrufen kann. Partylöwe Luca Toni in einer ersten Stellungnahme: „Isse nich fair„.
  3. Das Abhebgebot im Strafraum bleibt hingegen weiterhin bestehen. Wär ja noch schöner.
  4. Da nur ein Sieg gegen die Rumänen hilft, wird der geliebte Catenaccio nicht von der ersten Minute, sondern erst nach dem 1:0 aufgeführt. Der Heilige Stuhl hat bereits angekündigt, für eine frühe Führung beten zu wollen, weil eine auf Teufel komm raus stürmende squadra azzura einfach nicht von Gott gewollt ist.

– Die Rumänen rührten zum Gähnen. Kein Wunder, wenn man wie im Spiel gegen die Franzosen den erfolgreichen Feldversuch startet, 90 Minuten Fußballspiel rumzukriegen, ohne Fußball zu spielen. Das merkt der Zuschauer. Und auch sich. Weshalb ich die erste Hälfte der Begegnung nicht verfolgen werde. Okay, ich hab eine auswärtige Verpflichtung, aber ein Aufruf zum teilweisen Spielboykott klingt halt schön erhaben abstrafend.

Nachbericht

– Ich habe wie angekündigt nur sehr wenig von der Partie gesehen. Genauer gesagt die letzten 10 Minuten der ersten Hälfte und alles ab Minute 70. Aufgefallen ist mir, dass die Italiener zum Schluss für sehr viel Abhebens im rumänischen Sechzehner gesorgt haben. Aber so ist es nun mal im Leben und auch auf dem Platz: wofür der eine leidenschaftlich arbeitet, kriegt der andere auf dem Tablett serviert. Da ist es schon als Geste der Fairness zu werten, dass Mutu den Elfer versemmelt hat.

– Scusi, aber uno punto ist ein wenig wenig, um bei dieser EM für Furor zu sorgen. Nach dem Spiel der Niederländer gegen Frankreich schlägt mein Herz doch einen Tacken deutlicher für die Franzmannen.

NIEDERLANDE – FRANKREICH 4:1

Vorbericht

– Die Wildorangen gegen die trostlosen Franzosen. Wenn letztere wieder so ein Schmumpfspiel auf den Platz husten wie vor vier Tagen, können die von mir aus directemang nach Hause fahren. Das kann doch nicht so schwer sein, für den kleinen Franck ein paar Kameraden zu finden, die auch mitspielen wollen.

– Welcher Redakteur hat nicht aufgepasst und gedankenlos angesichts der Jubelbilder aus Amsterdam nach dem Sieg über Italien den Satz „bei den Oranjes brachen alle Dämme“ geschrieben? Kommt, wenigstens einer muss es doch gewesen sein. Okay, aber in den Comedysendungen zur EM kam der doch bestimmt, begleitet von einem wohlig-hohlen „hohoho“. Ich kann diese ganzen Begleitsendungen ja leider nicht gucken, weil ich hier meine Beiträge zusammensemmeln muss.

– Die Holländer können jetzt eigentlich nur noch schlechter werden, denn was gibt es Sensationelleres, als den Italienern drei Tore einzuschenken und keines zu kassieren? Im Viertelfinale schöner als die Schweden auszusehen? Die Spanier im Halbfinale auszukontern? Die Deutschen im Finale im Elfmeterschießen zu besiegen? Nee, selbst der Titelgewinn würde im Vergleich zu den schmachvoll geschlagenen Italienern verblassen. Also besser doch gleich auf der Höhe des Triumphs aufhören. Vielleicht schon gegen die Franzosen.

Nachbericht

– Beim heiligen Matjes! Was für ein Spiel! Fünf Tore, allesamt zum Vergöttern schön! Mir gehen die Ausrufezeichen aus!

– Die Franzosen mit einer mehr als deutlichen Steigerung zum letzten Spiel. Ribery, Govou, Henry und am Ende auch noch Evra mit tollen Kombinationen, aber gegen die Elftal ist momentan kein Kraut gewachsen (das soll jetzt auch eine Anspielung darauf sein, dass die Oranjes im Gegensatz zu uns auch mal ein Tor nach einer Standardsituation hinkriegen).

– Wo kann man sich eigentlich die Ersatzbank der Holländer bestellen? Van Persie und Robben kommen rein und wirbeln die gegnerische Abwehrreihe durcheinander, dass ihre Spielkunst eigentlich in Orkanstärken angegeben werden müsste. Dazu noch der bombensichere van der Sar, im Mittelfeld der unglaubliche Sneijder und vorne ein van Nistelrooy in Topform. Wenn die weiter so einen Lauf auf den Rasen legen, haben wir heute den kommenden Europameister gesehen.

– Kleiner Hinweis an den französischen Trainer Domenech: Astrologie ist doch Blödsinn. Beweis: das Spiel heute.

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