Das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch – Tag 2

ÖSTERREICH – KROATIEN 0:1

Vorbericht

– Die Österreicher werden alle überraschen! Diesen Satz meine ich absolut ernst, denn realistischerweise erwarten wir von unseren südlichen Nachbarn doch, dass sie nach 5 Minuten und dem frisch kassierten 0:2 geschlossen mit einem „Gnaaaaa! I moag nimmer, macht’s oirn Schoiß doch alloin“ auf den Lippen das Spielfeld verlassen. Woraufhin umgehend die Schneemaschinen angeschmissen werden, während emsige Helfer die ersten Slalomstangen und Skihütten um die verdutzten Kroaten aufbauen.

– Einen Titel hat die Mannschaft um Trainer Hickersberger aber jetzt schon gewonnen. In der Kategorie „Spielername, bei dem ich immer lachen muss“, landet der Prödl Sepp deutlich vor dem Polen Wawrzyniak und dem Schweizer Gygax. Wobei Prödl ein sehr talentierter Abwehrspieler mit starkem Kopfballspiel ist, für den wir alle inständig hoffen, dass er nie wie seinerzeit Mario Gomez ein Tor mit seinem Gemächt erzielt, weil sich die Wortspielabteilung (Sektion D) der Boulevardpresse wahrscheinlich wochenlang wohlig daran reiben würde.

– Die Kroaten haben bekanntlich die Engländer prophylaktisch aus dem Turnier geschossen, was den Unterhaltungswert dieser EM schon ein wenig zu schmälern droht. Ich hätte es fair als empfunden, wenn man als Ersatzgaudi den schlechtesten Keeper des Landes aufgeboten hätte, aber dafür sind die Kroaten halt zu verbissen und unentspannt.

– Natürlich habe ich sicherheitshalber das nicht Aussterben wollende Klopper-Image der Truppe auch schon ausgewälzt – man will schließlich nicht erleben, dass sich Vorurteile bestätigen, die man schweren Herzens just aufgegeben hat. Davon abgesehen traue ich dem Kader ein sehr gutes Turnier zu. Die Jungs sind heiß, robust, können mit dem Ball umgehen und spielen zum Auftakt quasi gegen das Costa Rica dieser Europameisterschaft.

Nachbericht

– 3. Spielminute, Ivica Olic fällt im Strafraum. „Na gut, äh“, leite ich meinen ersten Gedankengang kaiserlich ein, „das ist jetzt nichts Besonderes, der Mann steht auch bei seinem Heimatklub nicht gerade im Verdacht, das zu sein, was der Österreicher mit der Nr.2 auf dem Rücken trägt: nämlich standfest.“
Der zweite Gedanke nach dem Elfmeterpfiff: „Oha, der Schiri kennt den Ivica nicht“. Es war a) aber wirklich ein Foul (oa sauber Hüftschubserl, würde der Österreicher sagen) und b) kennt der Mann in Schwarz den Kroaten wohl doch, sonst hätt er den Pogatetz in der 29. Minute vom Platz stellen müssen.

– Den Modric von den Kroaten kannte ich hingegen vor der Partie überhaupt nicht und war ganz baff, als der Kloppo den als neuen Fußballgott anhosiannate. Nach den 90 Minuten tut mir mein Unwissen aber weiterhin nicht sonderlich weh.

– Tu felix Austria, heißt es ja bekanntlich. Heute war Felix aber Kroate. Ganz ehrlich, ich hätte Peppis Buben einen Punkt gegönnt. Aber in diesem Jahr scheint sich der Gastgeberbonus in einen Gastgebermalus verwandelt zu haben. Von den Kroaten bin ich wie von den Tschechen gestern doch a weng enttäuscht.

DEUTSCHLAND – POLEN 2:0

Vorbericht

– Seit ein paar Tagen wissen wir: auch die Polen sind mit Boulevardzeitungen geschlagen, für die sie sich in Grund und Boden schämen dürfen. Das sollte uns eigentlich eher in peinlicher Berührung einen denn spalten. Pädagogisch gesehen wäre es sinnvoll, diese hirnbefreiten Hetzschreiber links und rechts der Oder dazu zu verdonnern, kopfüber vom Lattenkreuz hängend mit ihren Fingernägeln hundert Mal „Fußball ist nicht Krieg“ auf polnisch und deutsch in die Pfosten zu ritzen. Oder doch besser gleich alle Mann auf der Torlinie festtackern für das Kurzdistanzschusstraining von Thomas Hitzlsperger und Jacek Krzynowek?

– Wo ich den Namen schon mal unfallfrei abgeschrieben habe und jetzt per Copy’n’Paste einsetzen kann: folgende Wortkette löst bei mir gerade eine ganz unschöne Assoziation aus:
Krzynowek-Flatterball-Lehmann

Noch eine Wortkette gefällig?

2006-Italien-Korruptionsskandal-Weltmeisterschaft
2008-Polen-Korruptionsskandal-?????

Die EM ist zwei Tage alt und ich bin schon reif für den Psychiater!

– Die Taktik ist klar, da brauche ich Jogi gar keine Hilfestellung mehr zu geben:

  1. Bereits mit dem Anpfiff Oliver Neuville an der Seitenlinie aufwärmen lassen. Im Fall eines 0:0 nach 15 Minuten aufreizend mit Bratfett einreiben. Auf dass er wie weiland bei der WM in die eine gute Hereingabe reinrutschen möge.
  2. Podolski und Klose in die gegnerische Abwehr einschmuggeln. Vorher akzentfrei die beiden polnischen Sätze „Geh weg, ich hab ihn sicher“ und „Pass zu mir, ich bin frei!“ einüben.
  3. Krzynowek nicht schießen lassen. NICHT schießen lassen. KRZYNOWEK!
  4. Trainer Leo Beenhakker andauernd auf seine freistehende weiße Haarsträhne hinweisen.
  5. Ein Tor mehr erzielen.

Nachbericht

– 40. Spielsekunde: Lehmann mit Flatterfaustabwehr! KRZYNOWEK! Mein Herz!

– 4. Spielminute: WAS ERLAUBE GOMEZ? Den mach ich doch ohne Beine rein! Durchatmen, nicht aufregen, an die Kanzlerin denken..

– Gomez mag zwar beim Verwerten der dicken Chancen Probleme haben, aber den Pass zu Klose in der 20. Minute hat er famos eingesprungen. POLDI! 1:0! Und hinterher weint er. Hat ja auch seit 12 Jahren kein EM-Spiel mehr gewonnen. Das muss so ein junger Mensch erstmal verkraften.

– Das Tor war übrigens – soweit waren sich alle Experten einig – nur leichtes Abseits. Im Gegensatz zum leicht schweren Abseits von Ebi Smolarek in der 63. Minute. Für weitere abseitige Unterscheidungsmerkmale wenden Sie sich vertrauensvoll an ihren Vermessungstechniker.

– Eine fast im Trubel untergehende Premiere! Ebi Smolarek erhält kurz vor Halbzeit die erste rot-gelbe Karte des Turniers und auch überhaupt. Darauf darf er stolz sein.

– Fritz gräbt in der ersten Spielhälfte das komplette Spielfeld einmal um. Was haben die dem denn heute Morgen in die Nutella getan? Überragend. Aber der Mann ist kein Hobbygärtner, sonst wüsste er, dass exzessives Graben auf den Rücken geht. Weshalb der Bremer im späteren Verlauf auch raus muss.

– Klose gibt dieses Jahr die Vorarbeitsmaschine. Das gefühlte 1:0, das echte 1:0 und obendrauf das 2:0 mit kunstvoll eingeschwungenem Lupfpass auf Poldi. Weil Schweini vorher den Ball erkämpft hat, verzeihe ich ihm auch seine Eckbälle und Flanken.

– Fazit: Verdient gewonnen, zwei Tore erzielt, auch mal sympathisch gönnerhaft die Polen aufs Tor schießen lassen, ein paar Schwächen angedeutet, um die späteren Gegner in Sicherheit zu wiegen. Desch wird, Jogi!

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3 Gedanken zu “Das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch – Tag 2

  1. 1. Bereits mit dem Anpfiff Oliver Neuville an der Seitenlinie aufwärmen lassen. Im Fall eines 0:0 nach 15 Minuten aufreizend mit Bratfett einreiben. Auf dass er wie weiland bei der WM in die eine gute Hereingabe reinrutschen möge.
    2. Podolski und Klose in die gegnerische Abwehr einschmuggeln. Vorher akzentfrei die beiden polnischen Sätze “Geh weg, ich hab ihn sicher” und “Pass zu mir, ich bin frei!” einüben.
    3. Krzynowek nicht schießen lassen. NICHT schießen lassen. KRZYNOWEK!
    4. Trainer Leo Beenhakker andauernd auf seine freistehende weiße Haarsträhne hinweisen.
    5. Ein Tor mehr erzielen.

    na mit der Taktik kann ja nix mehr schief gehen 🙂

  2. Sorry für das späte Freischalten des Kommentars. Hatte nicht mitbekommen, dass das bei WordPress so voreingestellt ist. Jetzt müssten die Kommentare schneller durchkommen.

  3. Pingback: Das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch - Tag 10 « Das unfassbar kompetenzfreie EM-Tagebuch

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