Portugal – Frankreich 1:0 n.V. (Tweet-Nachlese)

Portugal – Frankreich (Vorbericht)

Walter Eschweiler war erschöpft. Die ganze Nacht lang hatte er für seinen Chef, den Fußballgott, Facebook- und Twitter-Einträge über Nicola Rizzoli zusammenstellen müssen. Als Gradmesser für den derzeitigen Intelligenzzustand des gemeinen deutschen Fußballfans. Das Ergebnis hatte ihn mental zermürbt. Dennoch ließ ihn eine einzelne Frage nicht zur verdienten Ruhe kommen. Immer wieder pochte sie in seinem Kopf, so unablässig, dass seine Zunge kaum warten konnte, als die traditionelle Abschlussbesprechung anstand: Walter trat ein und ließ seinen Meister nicht mal seinen klassischen Einleitungssatz zu Ende bringen:

„MEIN GOTT WALTER, IST ES DENN IMMER NOCH NICHT VORB…“
„Cristiano Ronaldo??? Finale??? Warum, Fußballgott, warum???“
„GANZ RUHIG, WALTER. GROSSE SPIELER, GROSSES TRAUMA. TRAUMA IST MOMENTAN ALS TREND KLAR ANGESAGT. DER ENGLÄNDER KRIEGT VON MIR TRADITIONELL JEDES TURNIER EIN WEITERES. DEN DEUTSCHEN UND FRANZOSEN HABE ICH IHRES WEGGENOMMEN. JETZT MÜSSEN HALT NEUE HER. SCHLAG NACH BEI MESSI. DA PLANE ICH HEUTE ABEND EINE SCHÖNE PARALLELE ZUR COPA AMERICA.“

Erleichtert setzte sich Walter hin und ließ sich ein Beruhigungsschnäpschen kommen, das der findige Fußballgott seit wenigen Tagen unter dem Namen „Neunschützentropfen“ in den Markt gedrückt hatte.

„Dass meine Jungs draußen sind, war aber trotzdem eine üble Nummer. War wieder die BILD mit ihren dummen, respektlosen Schlagzeilen im Vorfeld dran schuld, oder?“
„NEE, WALTER. VOR VIER JAHREN HATTEN DIE MIR UNGEFRAGT EINE AUSGABE IHRES SCHUNDS IN DEN BRIEFKASTEN GESTECKT. DIESMAL NICHT. UND WIE JEDER INTELLIGENTE MENSCH NUTZE ICH ONLINE EINEN ADBLOCKER. ALLES GUT.“

„Welt- und Europameister wäre aber schön gewesen, Eure Ballherrlichkeit.“
„HATTEN WIR DOCH SCHON BEIM SPANIER. UND HAT ALLE GELANGWEILT. „DREIMAL HINTEREINANDER DER SPANIER, GEHT’S NOCH???„, HABE ICH MIR ANHÖREN MÜSSEN. DIESMAL WOLLTE ICH WAS FRISCHES.“

„Ihr hättet die Deutschen aber nicht vorher gegen Italien so im Elfmeterschießen quälen müssen.“
„DOCH, DOCH. ALS METAPHER AUF DIE QUÄLEND VIELEN TORARMEN SPIELE, DIE NICHT RUM GEHEN WOLLTEN. 24 MANNSCHAFTEN! FRÜHER WAREN ES MAL 4, WALTER! VIER! IHR GEBT MIR MEHR SPIELE, ICH GEBE EUCH MEHR LANGEWEILE. BIS IHR WIEDER NORMAL WERDET.“

„Gelungen fand ich die Sache mit den Isländern.“
„DA HAB ICH AUCH SEHR VIEL LOB FÜR BEKOMMEN. MEINE TRIKOT-KOLLEKTION GING WEG WIE WARME SEMMELN IM VULKAN. ZUDEM PLANE ICH KURSE FÜR DEN ISLÄNDISCHEN KLATSCHRHYTHMUS, DEN KRIEGEN DIE DEUTSCHEN FERNSEHGARTENZUSCHAUER DOCH NIE ALLEINE HIN. UND DER FRANZOSE DARF SICH NACH DER EM AUF EINE SAFTIGE KLAGE WEGEN URHEBERRECHTSVERLETZUNG FREUEN. WILLST DU NOCH EINEN KLEINEN ANLAGETIPP, WALTER?“

„Gerne, Eure Hoheit“

„NICHT IN CRISTIANO RONALDO-EURO2016-DEVOLUTIONALIEN INVESTIEREN. HIHI.“


Und so kam es, dass Frankreich Europameister wurde, weil CR7 seinen Versuch beim Elfmeterschießen unbedingt mit der Hacke verwandeln wollte.

Deutschland – Frankreich 0:2 (Tweet-Nachlese)

Deutschland – Frankreich (Vorbericht)

Der Deutsche ist für den Franzosen quasi das, was der Italiener bis letzten Samstag für uns war. Turnier-Angstgegner. Seit 58 Jahren kein Sieg mehr bei einer Endrunde. 1982 das dramatische Elfmeterschießen nach schwer ereignisreicher Verlängerung, 1986 von den biedersten Deutschen ever aus dem Turnier herausgekämpft worden und 2014 an Manuel Neuer gescheitert, nachdem Hummels das 1:0 geköpft hatte. Worüber ich mich immer noch mit meinem Heizungsinstallateur streite, weil der meint, dass alle Schüsse der Franzosen damals absolut haltbar waren. Ich erinnere dann immer an den dramatischen Last-Minute-Handhochreißer gegen Benzema, traue mich aber sonst nichts zu sagen, weil sonst die Rechnung teurer werden könnte. Generell gilt: Die sollen sich mit ihren Traumata mal nicht so haben.

Kein Gomez, kein Khedira, Schweinsteiger nur so grad fit. Liest sich nicht schön im Vergleich zu freudig und vollzählig herumhoppelnden Franzosen, die nach Revanche dürsten und die Isländer im Schongang zurück auf die Insel geleitet haben. Ich habe ja letzten Sonntag gemutmaßt, dass die sich in Sachen Toreschießen absolut verausgabt haben dürften. Bin da jetzt aber nicht mehr so optimistisch.

Didier Deschamps ist ein Fuchs. Sieht seine Chance darin, Tore zu schießen. Gegen Manuel Neuer. Durchaus dreist. Könnte aber funktionieren. Denn bisher haben die Deutschen kein Tor aus dem Spiel gefangen. Ich habe keine Ahnung, wie die auf einen Rückstand reagieren. Frankreich hat gegen Irland den Ergebnisdreher gepackt. Island gegen England. Wales gegen Belgien. Nur wir stehen in der Hinsicht blank. Weil der Neuer halt gar keinen reinlassen mag, nicht mal zu Rückstandaufholübungszwecken.

Als ich heute einkaufen war, streifte mein Blick die neueste Ausgabe der BILD. Widerlich, überheblich, dumm sind diese Schlagzeilen darüber, wie wir die Nachbarn am Abend aus ihrer eigenen Veranstaltung schmeißen werden. Leider gewinnen diese Überschriftendumpfheinze auch, wenn unsere Mannschaft gewinnt. Ich hingegen sage: Wenn wir ausscheiden, soll es der ehemalige Erbfeind machen und den Coupe Henri-Delaunay holen. Der Völkerverständigung wegen. Der deutsch-französischen Freundschaft wegen. Und des Finalgegners wegen.

Wichtiger Fun-Fact zum Schluss: Antoine „Grizou“ Griezmann trägt Spongebob-Glücksunterwäsche. Finde ich putzig. Ich hätte aber eher auf einen kleinen Drachen im Feuerwehrmann-Outfit gesetzt.

 

Portugal – Wales 2:0 (Tweet-Nachlese)

Portugal – Wales (Vorbericht)

Heute wird der erste Finalteilnehmer ermittelt. Portugal, bereits vier Mal in einem Halbfinale vertreten oder Wales, die Turnierneulinge. Ich möchte an dieser Stelle meine persönliche Präferenz nur kurz umreissen:

Och nö, nicht Ronaldo.

Und damit gebe ich ab an einen Gastbeitrag mit der Bitte um freundliche Verachtung.


RIESENSCHOCK!
IN GROSSER SORGE UM IHRE KINDER!
RONALDO UND BALE VERLASSEN PARIS!

 

von Gastautorin Kunigunde von der Tratschweide, Society Expertin bei „Frau mit einem an der Klatsche“

 

Es ist noch früh am Morgen, als kleine Kinderfüße eifrig auf dem urig gemütlichen Holzbohlenboden trippeln. Christian Bale (27), Schauspieler und Stürmer aus Wales, liegt nach einem kräftezehrenden Training starr vor Schmerzen im Bett. Seine harten Gesichtszüge hellen auf, als die süßen Patschehändchen seiner Tochter Alba Violet (7) in seinem Kinnbart herumkraulen. „Papa, Papa, ‚pielen wir heute wieder Fu’ball im tadion?“. Die Frage bohrt tief ins Herz des Superstars, er wendet sich mit einer flinken Körpertäuschung ab, mit der er schon hundertfach Gegner auf dem Platz hinter sich gelassen hat. So soll sein Kind ihn nicht sehen. „Nein, meine kleine Prinzessin, diesmal nicht“, keucht er und unterdrückt mannhaft die Tränen.

Nur wenige Kilometer entfernt strahlt Cristiano Ronaldo (31) voller väterlichem Stolz. Sein Sohn, Cristiano jr (6), der Junge mit den kecken schwarzen Locken, wird noch so manches Mädchenherz brechen. Seit seinem zweiten Lebensmonat grüßt er sein Spiegelbild und lächelt dabei. Heute hat er sein erstes Mikrofon eines Journalisten in ein Planschbecken geworfen und kurz darauf die Spielkameraden bei einer Runde „Blinde Kuh“ angekeift, weil niemand auf seine Laufwege einging. Doch heute Abend wird er nicht bei seinem Vater auf dem Platz sein können. Die herzlose UEFA hat es verboten! Bale und Cristiano machen sich Sorgen. Wo sind ihre Kinder, wenn sie um den Titel spielen? Werden Sie überhaupt auf dem Feld bei der Sache sein können? Ist die Liebe zum Kind nicht wichtiger als ein Pokal?

Ronaldo führt im Exklusiv-Interview mit uns aus: „Es ist schrecklich. Mein Junge irgendwo im Stadion. Ungeschützt. Unsere Fans haben dort jüngst Feuerwerkskörper gezündet. Was, wenn einer davon Cristiano jr. ins Auge fliegt?“. Bale pflichtet ihm bei: „Ich mache mir Sorgen. Meine Tochter im weiten Rund. Ohne Schutz. Umringt von besoffenen Walisern, die zotige Lieder singen. Was, wenn sie danach Stripperin werden will?“. Die Angst wird mitspielen, wenn heute Abend Portugal und Wales in Lyon aufeinandertreffen. Möge die Liebe der Väterherzen sie überwinden.

Frankreich – Island 5:2 (Tweet-Nachlese)